Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Zur Etymologie Aschkenaz - Deutschland
- Date
- 1939-01-01
- Page
- 302 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850788--55977-2851152- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zur Etymologie flDB^-Deutschland Von Luitpold Israel Wallach 1. In einer Miszelle ,,אשכנז Deutschland“ meint Paul Rieger MGWJ 1936 S. 459, das italienische Tedeschi könnte die Annäherung an Aschkenas verursacht haben. Abschließend stellt er fest ״So läßt sich der Gebrauch von Aschkenas für Deutschland seit dem zehnten nachchristlichen Jahrhundert nachweisen und seine Herkunft aus der Amtssprache der karolingischen Zeit vermuten“. In einer zweiten Miszelle לשון כנען״ die Sprachen Deutschlands“ MGWJ 1937 S. 301 heißt es ״ob für die Annahme des biblischen Volksnamens das Anklingen an Diutisc-Tedeschi oder an Saxones die erste Ursache gewesen ist, ist heute nicht mehr festzustellen“. 2. Das von Rie ger gebotene Quellenmaterial liefert bei An- Wendung einer anderen Betrachtungsweise für die Herkunft der Etymologie eine andere, zwanglosere Lösung. Die ältesten Vorkommen für Aschkenas-Deutschland liefern: a) Saadia ben Josef aus Fajjum in Ägypten (882—942), der auch in Palästina, Syrien und Babylonien lebte. b) Chasdai ibn Schaprut (gest. um 970), Leibarzt und Diplomat eines Kalifen von Cordova, einer der ersten Mäzene der jüdischen Wissenschaft im maurischen Spanien. c) David ben Abraham Alfasi, ein karäischer Lexikograph des 10. Jahrhunderts. Diese ältesten Belege stammen alle aus dem arabischen Kulturkreis. Daraus folgt eindeutig die Herkunft der Etymologie. Nicht Juden in Deutschland waren die Urheber der Gleich- Setzung, sondern Juden der arabischen Kultursphäre. Diese Feststellung erfährt keinen Abbruch durch das eventuell geltend gemachte argumentum ex silentio: die ersten Vorkommen der Etymologie würden nur deshalb zufällig aus dem arabischen