Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Zur Etymologie Aschkenaz - Deutschland
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 3)
- Language
- German
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304 Luitpold Israel Wallach erscheint Scandza als das im Norden gelegene Land schlechthin. Für Araber und Juden der arabischen Sphäre war Deutschland stets das Nordland. Die Vorstellungen des unbekannten Nordlandes bei den Südvölkern sind ja sehr alt. Für Scandza שכמא ergab sich so schließlich als biblisches Äquivalent אשכנז. Die logisehe Abfolge beim Entstehen der Etymologie muß man sich folgendermaßen, denken: Die Verbindung des arabischen Artikels al mit Scandza Alscandza führt klanglich und lautlich zu Aschkenas hin. Verstärkt wurde die Hinführung zu dieser Etymologie weiterhin durch das immer vorhanden gewesene Streben, alles schon in der Welt der Bibel vorhanden zu sehen. 4. Die sprachetymologische Herkunft der Gleichsetzung Aschkönas Deutschland fiel mit der Volksetymologie nicht zusammen. Letzterer als ethnographischer Kategorie war das Entstehen der Gleichsetzung nicht bewußt geworden. Für die Volks- Überlieferung stand es fest, daß alle Ländernamen bereits in der Bibel vorhanden sind, selbst wenn geschichtlich und ethnologisch die Verwertung des biblischen Namens ganz unbegründet war, wie bei Aschkenas Deutschland. Weil aber das Entstehen der sprachlichen Etymologie für die Volksetymologie unauffindbar war, schuf letztere sich dafür eine geschichtliche Tradition, nach der eben Kanaaniter vor den Israeliten und vor Josua bei der Eroberung Palästinas nach Deutschland geflüchtet sind (Rieger MGWJ 1936 S. 457). Diese Wandersage von der Flucht Kanaans vor Josua, die der jüdischen und der antiken Literatur gleicherweise bekannt ist — allerdings geht die Flucht dabei stets in das phönizische Afrika — hat Hans Lewy, Ein Rechtsstreit um den Boden Palästinas im Altertum, MGWJ 1933 S. 84 eingehend behandelt. Die Übertragung der Sage auf Deutschland geht auf die Etymologie Slawen Sklaven zurück. Weitere Verbreitung hat sie nicht gefunden. Ibn Esra und David Kimchi waren die einzigen, die sie erwähnten. Die Quelle beider dürfte der hebräische Josippon gewesen sein (ed. D. Günzburg, Berditschew 1896—1913, Spalte 4: םקלבי. .. ואמרים אחרים שהן מבניי כנק).