Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 273

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Die Herkunft und Entstehungszeit des Talmudtraktats Tamid
Date
1939-01-01
Page
Seite 273 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850783--55948-2851128
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Herkunft und Entsteliungszeit des Talmudtraktats Tamid 273 Man mag nun immer noch die Frage aufwerfen, ob diese Sammlung ihrer Entstehung nach einheitlich war oder ob der Talmudtraktat Tamid nicht auch unter den gegebenen Voraussetzungen als eine späte Kompilation älteren Materials aufgefaßt werden darf. Aber bei dieser Annahme wäre es doch nicht zu begreifen, warum der Kompilator nicht auch unsern Talmud für seine Kompilation benutzt und ausgebeutet hat. Wie aus obiger Zusammenstellung ersichtlich, ist ja in unserm Talmud ziemlich reichhaltiges Material vorhanden, das direkt in einen Talmud zu Tamid gehört bzw. in einem solchen untergebracht werden könnte. Und bei entsprechender und ausgiebiger Benutzung des einschlägigen Materials könnte beinahe ein vollständiger und fast lückenloser Talmud zu Tamid geschaffen werden. Hätten wir in Tamid gar kein Material, das auch sonst im Talmud vorkommt, könnte man noch geltend machen, es sei die Absicht des Kompilators gewesen, sich auf das Material zu beschränken, das an anderen Stellen des Talmuds nicht vorhanden ist. Allein wir haben etwas paralleles Material, das bei der Annahme, daß der Talmud zu Tamid eine späte Kompilation sei, selbstverstündlich aus den anderen Stellen des Talmuds herzuleiten wäre33. Wenn aber der Kompilator schon unsern Talmud benutzt hat, warum nicht bereits in gehöriger Weise und in vollem Maße? Die Annahme einer Kompilation muß daher entschieden zurückgewiesen werden. Es bleibt nur die andere, daß alles aus einer Quelle fließt und daß das Material in einem früheren Entwicklungs- Stadium konserviert ist. Wir werden daher kaum fehlgehen, wenn wir annehmen, daß wir im Talmud zu Tamid einen Talmudtraktat aus amoräischer Zeit vor uns haben. Das bloß dort vorhandene Material ist dort entstanden und auch ein großer Teil des parallelen Materials ist dort primär und genuin. Versucht man auf Grund des vorliegenden Materials sich ein 33 Dies ist natürlich kaum vereinbar mit dem Eesultat der Textanalyse des einschlägigen Materials, insbesondere der Parallelsugia Tamid-Joma, wir ־wollen es jedoch für einen Augenblick gelten lassen. 18

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.