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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 272

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Die Herkunft und Entstehungszeit des Talmudtraktats Tamid
Date
1939-01-01
Page
Seite 272 (sequence 12)
Language
German
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272 Abraham Weiß An all diesen Stellen bezieht sich das gemaristische Material direkt auf Mischnajot aus Tamid und kann ohne jede Änderung in einem Talmud zu Tamid untergebraeht werden. 5 Ergebnisse Schon die Tatsache, daß einerseits das gemaristische Material bis auf winzige Ausnahmen bloß hier vorkommt und andererseits die Parallelsugia Tamid-Joma in Tamid und nicht in Joma primär ist, ist kaum in Einklang zu bringen mit der Annahme, daß der Talmudtraktat Tamid gaonäischer Provenienz ist. Denn man muß ja in diesem Falle schließlich auch eine Antwort geben auf die Frage, woher der späte gaonäisehe Redaktor das bloß hier vorkommende Material genommen habe. Wenn auch angenommen werden kann, daß man in jener Zeit noch amoräisches Material hatte, das in unserm Talmud nicht vorhanden und auf uns nicht gekommen ist, so bleibt noch immer die Frage offen, wo und wie dieses Material überliefert worden war. Auch bei einem kurzen, losen Einzelausspruch ist die Annahme mündlicher Überlieferung ziemlich gewagt, erst recht bei Ausführungen, wie sie uns in Tamid vorliegen. Wobei dieses Material weder dem Inhalt und der Form nach noch betreffs der Autorennamen auch nur um ein Jota sich vom anderweitigen talmudisch-amoräischen Lehrgut unterscheidet. Wir haben hier durchweg Autoren, die auch sonst im Talmud zu finden sind. Und inhaltlich wird höchstens an mancher Stelle das Fehlen einer weiteren Entwicklung der Sugia als auffällig empfunden werden können. Es gibt dort nämlich auch verhältnismäßig mehr kurze Sätze und Einzelbemerkungen als typische Sugiot mit Diskussionen, wie wir sie sonst als das Produkt der fortwährenden Entwicklung des talmudischen Lehrguts anzutreffen pflegen. Allein demnach bezieht sich der Unterschied nicht auf das, was vorhanden ist, sondern so zu sagen auf das, was nicht da ist; was später entstehen sollte, aber nicht entstanden ist. Wir haben also eine Sammlung vor uns, in welcher verhältnismäßig altes amoräisches Lehrgut in einem älteren Entwicklungsstadium auf bewahrt ist.

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