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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 252

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Die Stellung der mündlichen Tradition im Judentum und im Islam
Date
1939-01-01
Page
Seite 252 (sequence 14)
Language
German
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252 Gotthold Weil sehr straff. Bei aller Toleranz gegenüber dem Neuen konnte der Islam, der auf dem dem Mohammed geoffenbarten Koran auf gebaut ist, nur solche Gedanken und Bestimmungen anerkennen, die mit dem Koran und den Anschauungen der ältesten islamischen Gemeinde in Einklang waren, die noch von Mohammed selbst geleitet war. Um dies zu erweisen, wurden mit vielem Eifer alte Bräuche aus der mekkanischen und medinensischen Zeit gesammelt, oder es wurden neuere Bestimmungen durch rationale Auslegung als aus dem Koran folgend festgestellt. Neben diesen beiden Formen, denen bei der Bildung der mündlichen Tradition grundsätzlich eine große Bedeutung zukommt, die aber zahlenmäßig nur Verhältnismäßig beschränkten Umfang einnehmen, spielen ihrer Bedeutung wie dem Umfang nach diejenigen Überlieferungen die bedeutendste Bolle, die bereits anerkannte oder um Anerkennung ringende Be- Stimmungen ausdrücklich als von Mohammed oder einem seiner ,,Genossen" herrührend bezeichnen. Diese Überlieferungen, die die Bezeichnung Hadith (״Bericht, Erzählung") führen, sind formal alle nach einem und demselben äußeren Schema gebaut und zerfallen in zwei Teile. Der zweite Teil, der eigentliche Text, enthält einen Ausspruch oder den Bericht über eine Handlung oder beachtenswerte Tatsache aus dem Leben des Propheten oder eines seiner Genossen, während der erste Teil, der zur Beglaubigung des Textes vorangesetzt ist, die genauen Namen aller Personen aus den verschiedenen Generationen, vom Propheten oder den Genossen angefangen bis zu dem letzten Überlieferer, anführt, die eben diesen Text einer dem anderen weitergegeben haben. Alle nicht im Koran enthaltenen Bestimmungen mußten, um durch ihre Zurückführung auf Mohammed ihre Kanonizität zu erweisen, durch einen Hadith in dieser Form gestützt und belegt sein. Und in der Tat sind auch sicherlich viele dieser Hadithe in ihrer Überliefererkette echte und in ihrem Text authentische Berichte aus der Frühzeit des Islams. Andererseits aber steht fest und war auch schon den islamischen Gelehrten der damaligen Zeit bekannt, daß eine ungeheuer große Zahl der kursierenden Hadithe nicht das waren, was sie zu sein Vorgaben, nämlich tatsächliche Überlieferungen aus dem Leben

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