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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 245

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Die Stellung der mündlichen Tradition im Judentum und im Islam
Date
1939-01-01
Page
Seite 245 (sequence 7)
Language
German
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Di© Stellung der mündlichen Tradition im Judentum und im Islam 245 Diese Kämpfe haben der mündlichen Tradition ihre entscheidende Richtung gegeben. Die Repräsentanten dieser Frömmigkeit sind die Peruschim. In der bewußten Abschließung gegen alles Fremde und in dem unnachsichtigen Ausstößen aller abweichenden Ansichten aus den Reihen des Judentums erblickten sie die einzige Aussicht auf Konsolidierung der eigenen Gemeinschaft, und dadurch, daß sie in den Lehrhäusern eine neue Heimat für das Gesetzesstudium schufen, ermöglichten sie überhaupt erst die systematische Ausbildung der Tradition. Ihnen allein ist es zu danken, daß das Judentum die Katastrophe der Zerstörung des zweiten Tempels und des Verlustes der staatlichen Selbständigkeit überstanden hat. Durch den Sieg der Peruschim und der ihre Ideen fortleitenden Gesetzeslehrer erhält die mündliche Tradition ihre unwiderruflich endgültige Richtung. Die in der schriftlichen Tora niedergelegten göttlichen Gesetze, die die Heiligung des Lebens zum Ziele haben, wurden durch so viele verbindliche Erweiterungen und Einschränkungen, Gebote und Verbote gesichert und verstärkt, vor allen Dingen aber die minutiöse Erfüllung aller dieser Gebote mit solchem Nachdruck von jedem Bekenner des Judentums verlangt, daß dieses durch mündliche Traditionen erweiterte und garantierte göttliche Gesetz als ausreichendes Bindeglied des jeder weltlichen Macht beraubten und zerstreuten Volkes dienen konnte. Was die mündliche Tradition der nächsten Jahrhunderte hierzu hinzugefügt hat, sind nur noch einzelne Entscheidungen, die den einmal eingeschlagenen und festgelegten Weg weiterführten und sicherten. An den Grundprinzipien, die in dem entscheidenden Jahrhundert vor und nach der Zerstörung des zweiten Tempels von den Trägern der mündlichen Tradition festgelegt wurden, und an der damals von ihnen aufgestellten Sinngebung für die Entwicklung wurde nichts mehr geändert. In ihrer schriftlichen Fixierung ist die ungeheuer große Masse der mündlichen Traditionen unabhängig von dem Zeitpunkt ihrer Entstehung in der talmudischen Literatur und der mit ihr eine Einheit bildenden midrasehischen Literatur niedergelegt. Nur eine beschränkte Anzahl von Vorschriften wird ohne Angabe,

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