Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Die Stellung des Minhag im Talmud
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850781--55901-2851083- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
228 Alexander Guttmann pretation ohne weiteres zuläßt, ist beispielsweise aus jer. Pes.4,1 ersichtlich: (כל הדברים תלו אותן במנהג (נשיא. Hierzu bemerkt Korban haeda הרבה דברים. Der Zusammenhang läßt eine andere Auffassung gar nicht zu. ,,Alle Dinge“ beziehen sich lediglich auf solche Handlungen, die in eine bestimmte Gruppe gehören und selbst hierbei werden gleich hinterher Ausnahmen festgestellt (irrtümliche Minhagim אינו מנהג). — Daß der Satz המנהג מבטל את ההלכה nicht als allgemeingültig betrachtet wird, geht auch aus der Tatsache hervor, daß er lediglich an den genannten zwei Jeruschalmistellen erwähnt wird, sonst nirgends. Im ersten Fall handelt es sich um eine unwesentliche Einzelheit. Aber selbst hier ist das Verdrängen der Halacha durch den Minhag nur theoretisch, lediglich für einen eschatologischen Eventualfall vorgesehen, nämlich für den Fall, daß der Prophet Elijja erscheint und eine Halacha mitteilt, die dem Minhag widerspricht. Übrigens scheint die Wendung ,,wenn Elijjahu kommt“ usw. hier lediglich die notwendige Beachtung des Minhag betonen zu wollen. — Ähnlich A. Z. 36a: ור, יהודה הנשיא היכי מצי למישרא תקנתא דתלמידי שמאי והלל והתנן אין בית דין יכול לבטל דברי בית דין חברו אלא אם כן גדול הימנו בחכמה ובמנין ועוד הא אמר רבה בר בר חנה א״ד יוחנן בכל יכול לבטל דברי בית דין חברו חוץ משמונה עשר דבר שאפילו יבוא אליהו ובית דינו אין שומעין לו אמר רב משרישיא מה טעם חואיל ופשט איסורו ברוב ישראל שמן לא פשט איסורו ברוב ישראל. Hier wird dieselbe Wendung gebraucht wie an der betreffenden Jebamot-Stelle. Obwohl erklärt wird, daß selbst der Prophet Elijja und sein Bet Din nicht imstande sein würden, eine der betreffenden 18 Halachot aufzuheben, hat dies Rabbi Jehuda Nessia (II) dennoch zu tun vermocht. Wenn also der Volksbrauch eine גזירה nicht zur Kenntnis nahm, so konnte die Abolition derselben ausgesprochen werden, selbst wenn einst erklärt wurde, daß die Abänderung auch nicht einmal der Prophet Elijja — die höchste halachische Autorität — vornehmen dürfe. Eine ähnliche eschatologische Anschauung soll nach einer talmudischen Deutung schon im Buche Esra 263 enthalten sein. Die Stelle lautet: