Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Der Begriff der Palingenesie im talmudischen Schrifttum
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 11)
- Language
- German
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204 Edmund Stein 3. Pesikta rabbati XL: ״Warum heißt es da ועשיתם? Der Ewige spricht zu Israel: tut (עשו) Buße in den zehn Tagen zwischen Rosch- Haschana und Jom Kippur, und ich spreche euch am Jom Kippur frei und mache euch zu einer neuen Schöpfung, wie es heißt (1 Mos 17): und Gott machte den Himmel/‘ Vergleicht man die drei Quellen, so ergibt sich folgender Sachverhalt: In Quelle 1. ist die Palingenesie eine äußerliche Folge der Buße und Umkehr — sie erscheinen vor Gericht und werden freigesprochen. In 2. und 3. wird zwar angedeutet, daß die Er־ neuerung eine tiefgreifende ist, der kosmischen ähnlich (der neue Himmel und die neue Erde, die Erschaffung des Himmels), jedoch ist der Gedanke von der Erneuerung des Geistes nicht deutlich ausgesprochen. Ein Schritt vorwärts ist aber in 2. getan, wo betont wird, daß die Palingenesie eine Folge ist von Gebet und Umkehr. ״Es bleibt ihnen nichts als Gebet . . . Gott nimmt die Reuigen auf . . . und macht sie zur Neuschöpfung‘‘ (das.). Was wir aber in den drei Stellen vermissen, finden wir an einer vierten Stelle, nämlich derjenigen, die wir in Zusammenhang mit dem Motiv des sittlichen Todes und der geistigen Wiederbelebung bereits kennengelernt haben: 4. Midrasch Tehillim 102, 3. ״,Und ein erschaffenes Volk wird Gott preisen‘ — damit sind gemeint die gegenwärtigen Geschlechter, die den Toten gleichen wegen ihrer (bösen) Handlungen. Sie erscheinen vor Deinem Angesichte und beten am Neujahrsfest und Versöhnungstag, und Du machst sie zur Neuschöpfung. Was sollen sie aber tun? Sie nehmen Myrthe und Palmenzweig und preisen Dich, wie geschrieben ist . . .“ Hier nähern wir uns am meisten dem Gedanken von einer geistigen Erneuerung, da ja der Gegensatz zum geistigen Tode (שהן כמתים במעשיהם) die geistige Palingenesie bildet. In allen vier Quellen muß auch zwischen der gleichsam rechnerischen und der psychologisch-sittlichen Seite geschieden werden, denn sämtliche angeführte Homilien gipfeln in dem Gedanken, daß an den Hohen Feiertagen Israel die Sünden vergeben werden und daß Israel das Hüttenfest sündenfrei antreten kann. Der erste Tag