Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Der Begriff der Palingenesie im talmudischen Schrifttum
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 10)
- Language
- German
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Der Begriff der Palingenesie im talmudischen Schrifttum 203 schlechtes. Da spricht der Ewige: es kommt die Stunde, in der ich ihn neu erschaffe22, so daß er nicht mehr leidet In dieser eschatologischen Homilie handelt es sich um den leidenden Messias, wobei von physischen Leiden hauptsächlich die Rede ist. Was natürlich bei weitem nicht zum Schluß berechtigt, daß auch anderswo die eschatologische Palingenesie etwas Äußerhohes sei. Vielmehr ist Neuschöpfung mit sittlicher Erneuerung eng verbunden23. III Palingenesie in Beziehung zu Gott Wir haben bereits oben die Beobachtung gemacht, daß man die verschiedenen Passungen derselben Homilien berücksichtigen muß, um die ganze Tiefe der talmudischen Palingenesie zu erschöpfen. Ähnlich verhält es sich bezüglich der dritten und letzten Stufe der Palingenesie, auf der die Beziehung zu Gott vorherrsehend ist. Es kommen in Betracht folgende Stellen: 1. Talmud jer. Rosch Haschana IV, 8: ״Bei allen Opfern ist von Darbringung (והקרבתם) die Rede, hier aber von Schaffen (ועשיתם) — Gott spricht: da ihr im Neujahrestag vor mir zu Gericht erschienen wäret und in Frieden entlassen worden seid, betrachte ich euch als Neuschöpfung.“ 2. Midrasch Wajikra rabba XXIX (zu Ende): ״Bei allen Opfern ist von Darbringung die Rede . . . Gott spricht: Kinder! ich betrachte euch, als seid ihr heute vor mir erschaffen worden (נעשיתם), als hätte ich euch heute neu gebildet, wie es heißt (Jes 66 22): Wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich schaffe (עושה) vor meinem Angesichte bestehen . . .“ 22 S. Jalkut zu Jes. 469. 28 Kein äußerlich ist ברייה חדתא im Volkssprichwoxt: כדין אתברית ברייה חדתא (Midrasch Schir-ha Schirim 8, 6). Das beweist natürlich nichts, denn auch TCaXtyyeveaca ist in verschiedene unreligiöse und unphilosophische Gebiete, wie Politik, Rechtskunde und sogar Heilkunde, eingedrungen. S. Dey 28£f. Es ist bemerkenswert, daß in den synoptischen Evangelien, die dem Volks- Charakter näher stehen als das Johannes-Evangelium, die Palingenesie im Sinne geistig-sittlicher Erneuerung nicht vorkommt,