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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 205

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Der Begriff der Palingenesie im talmudischen Schrifttum
Date
1939-01-01
Page
Seite 205 (sequence 12)
Language
German
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Der Begriff der Palingenesie im talmu&isclien Schrifttum 205 des Hüttenfestes ist zugleich der erste Tag der neuen Sündenrechnung (ראשון לחשבון עוונות). Das ist aber die negative Seite des Problems. Die Freiheit von den Sünden ist Vorbedingung für die positive Palingenesie. Das erste kommt zum Ausdruck in Wendüngen ־wie ,,ein neugeborenes Kind“, ,,ein eintägiges Kind“; das entspricht der halachischen Norm: ,,ein Proselyt ist im Augenblicke der Annahme der jüdischen Religion wie ein neugeborenes Kind“ (Jebamoth 48b; 62a). Die klassische Stelle hierfür ist Midrasch Schir ha-Schirim 85: ,,Warum wird der Sinaiberg (== die Sinaioffenbarung) ,Mutterhaus' genannt? Weil hier Israel einem eintägigen Kinde gleich wurde.“ Aber das ist nur der Ausgangspunkt für die Palingenesie, da auch Israel bei der Sinaioffenbarung nicht im Zustande eines Kindes verharren durfte, das zwar jeder Sünde bar, aber auch jedes positiven, geistigen Fortschrittsprinzips beraubt ist. Ähnlich verhält es sich mit der geistigen Wirkung des Gebetes und der Umkehr1. Auf die Sündenfreiheit folgt jene hehre Freiheit des geläuterten Geistes, von der Seneca, an einer in der ganzen klassischen Literatur einzigartigen Stelle, eher ahnend als begreifend, den schönen Aussprach getan hat: Intellego non solum emendari me tantum, sed transfigurari (Ep. 6, 1). 1 Das ist z.B. im jüdisch-hellenistischen Roman Joseph und Aseneth der Fall. Hier erscheint ein Engel der -bußfertigen Ägypterin Aseneth und verkündet ihre geistige Wiedergeburt, wodurch sie würdig erklärt wird, die Gattin des Patriarchen zu werden. S. Louis Ginzberg, The Legends of the Jews, Bd. II S. 173 (Philadelphia 1910).

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