Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Der Begriff der Palingenesie im talmudischen Schrifttum
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850779--55873-2851057- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
202 Edmund Stein sie aber am Bosch-Haschana Und Jom Kippur (im Gotteshaus) erscheinen und beten, vollziehst Du ihre Neuschöpfung44. Dasselbe gilt natürlich vom Geschlecht des Chiskia und Mordechai20. Als Analogie könnte man die von Dieterich aus den Papyri herausgegebene Mithrasliturgie heranziehen. Denn auch dort kommt die Palingenesie zustande dank der sittlichen und magischen Kraft des Gebetes. Damit ist der Übergang gegeben zu einer eschatologisehen Homilie: 2.Midrasch Tehillimed. Buber 29 zuPs 27 (״Ich habe dich heute geboren''). ״Die Leiden zerfallen in drei Teile, ein Teil fiel den Stammvätern und allen anderen Geschlechtern zu, ein zweiter Teil dem Zeitalter der religiösen Verfolgung, der dritte Teil — dem Zeitalter des Messias . . . Da spricht Gott: mir kommt es zu, sie neu zu erschaffen.44 Auch hier handelt es sich um mehr als bloße Befreiung von den Leiden, wie Billerbeck meint. Denn das, worauf es hier ankommt, ist die neue, messianisehe Weltordnung, wie das angeführte Beispiel von Adonijahu zeigt, dessen ״Geburt44 nicht physisch zu fassen sei, sondern im Sinne einer ״neuen Verfassung4421. Das Aufhören der Leiden ist somit eine äußerliche Folge einer inneren, seelischen Läuterung, die das Wesen der neuen Verfassung, oder wie es in Jalkut Tehillim heißt, des wahren ״Neuen Bundes44 (ברית חדשה) ist. Indes kommt es auch vor, daß die Besserung des äußeren Zu- Standes im Mittelpunkt steht, dann ist freilich auch die Neu- Schöpfung äußerlich gemeint: 3. Pesikta rabbathi XXXI: ״Unsägliches Leid ist dem Messias in jedem Zeitalter aufgespart, gemäß den Sünden eines jeden Ge- 20 Die Fassung des Gedankens in Midrasch Tehillim ist die richtige. Das verknüpft sich gut mit dem Folgenden: ״Und was sollen wir machen? Wir nehmen Lulab und Ethrog usf. In Wajikra rabba und Fesikta de R. Kahana fehlt hier der Übergang; hingegen fügt sich alles gut in Midrasch Tehillim: wenn die Geschlechter, die einem sittlichen Tod verfallen waren (שהן כמתים במעשיהם) einer Neuschöpfung fähig sind, dann bleibt auch uns Sündigen die Hoffnung und zugleich die Aufgabe durch den Gottesdienst unsere Palingenesie herbeizuführen. 21 Richtig Buber z. St. Anm. 60: הבהגה חדשה