Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Der Begriff der Palingenesie im talmudischen Schrifttum
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 8)
- Language
- German
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Der Begriff der Palingenesie im talmudisclien Schrifttum 201 Vergeltung ist bei ihm, und der Lohn für die Werke vor seinem Angesicht/‘ Das ist aber ein grundsätzlicher Zug, durch den sich die beiden Religionen ganz allgemein voneinander unterscheiden. II Neuschöpfung bezüglich der äußeren Lage 1. Wajikra rabba XXX, 3. Hier werden verschiedene Beispiele der Neuschöpfung aus der Geschichte aufgezählt. Die Worte Ps 10219 (״Das sei aufgezeichnet für das jüngste Geschlecht, auf daß ein erschaffenes Volk Gott preise“) werden folgendermaßen gedeutet: ,,,Das jüngste Geschlecht‘ — bezieht sich auf das Geschlecht des Chiskijahu, das dem Tode verfallen war . . . auf das Geschlecht des Mordechai . . . auf die gegenwärtigen Geschlechter, die dem Untergang nahe sind. ,Ein erschaffenes Volk, das Gott preisen wird‘ will besagen, daß sie zur Neuschöpfung wurden.“ S. auchPesikta de r. Kahana XXVIII, ed. Buber 181af.; Midrasch Tehillim 102, 3. Die Palingenesie scheint sich hier auf die Besserung der äußeren Lage zu beziehen. Jedoch hat schon der hebräische Erklarer Israel Isser Einhorn (מהח״ו) z. St. das Richtige gesehen, nämlieh, daß die Predigt schon mit der Deutung des vorangehenden Verses beginnt: ,,Gott hat sich zugewendet dem Gebet des Gebeugten Und nicht verachtet Er ihr Flehen.“ Der Sinn der Predigt kommt eben nahe dem in jenem Zusammenhang angeführten Ausspruch des Rabbi Jizchak, wonach das Gebet die Stelle der Urim we-Thumim vertritt, Und das Gebet ist es, das die Palingenesie (בריח חדשה) bewirkt. Damit stimmt auch der Umstand überein, daß in den aufgezählten geschichtlichen Beispielen das Gebet der Erlösung voranging: in den Tagen des Chiskijahu — das Gebet Jerusalems, in den Zeiten Mordechais — das Gebet der Esther usf. (vgl. die Stelle). Was aber die ״gegenwärtigen Geschlechter“ betrifft, so ist die Erklärung hierzu in Midrasch Tehillim gegeben (vgl. Buber z. St. Anm. 23): ״damit sind die Generationen gemeint, die wegen ihrer Handlungsweise den Toten zu vergleichen sind. Wenn