Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Der Begriff der Palingenesie im talmudischen Schrifttum
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 5)
- Language
- German
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198 Edmund Stein einen Vater, den Vater des Alls. So kam denn über ihn der Ruf nach oben, oder, nach unserer Behauptung, die zweite Geburt10/‘ Die zweite Geburt beruht somit nach Philo auf einer Ver- Setzung des Menschen aus den Banden der Leiblichkeit in ein neues Leben, in das des Geistes, des Nus (voöc). Das gemahnt an die hermetische Lehre von der Wiedergeburt, deren Wesenszug die ״ekstatische Nus-Mystik“* 11 ist. Die Palingenesie in Philos Schriften hängt eng zusammen mit seinem ethischen Ideal der Annäherung an die Gottheit durch Unterdrückung und Niederhaltting der Sinnlichkeit. Die Ähnlichkeit mit dem Neuen Testament tritt hervor im scharfen Gegensatz von Geist und Leib (vou$ — gmuoc) bei Philo und im Johannes- Evangelium (׳rcvsu^ua — <7dp£)12. Ist unsere Auffassung von Sinn und Bedeutung de! Midraschstelle richtig, so kann von einer physischen Wiedergeburt kaum die Rede sein. Dagegen werden wir eine andere Stelle kennenlemen, die tatsächlich ein physisches Element enthält. Aber auch da ist das Physische nicht ausschlaggebend, wenigstens ist die Palingenesie mit einer spiritualistischen Konzeption verbunden: 2. Bereschith rabba XXXIX, 11 zu 1 Mos 12 2 (Berufung Abrahams): ״Es heißt hier nicht ,ich will dich einsetzen‘ (ואשימך), sondern ,ich will dich machen‘ (ואעשך): nachdem ich dich zur Neu- Schöpfung gemacht habe, wirst du ein neues Geschlecht fort- 10 Sinsum autem vocatio prophetae seeunda est nativitas (== Seuxspa Ye'veoiO priore melior: illa enim commixta per carnem et corruptibiles habebat parentes; ista vero incommixta simplexque anima principalis (vou«; f^s^ovtxo?), mutata a genita ad ingenitam, cuius non est mater, sed pater solus, qui et universornm. Qamobrem et sursurn vocatio, sive, 11t diximus, divina nativitas contingit ei fiexi .. . Quaest. in Exodum II, 16. Darüber handeln ausführlich: Reitzenstein, Die Vorgeschichte der christlichen Taufe, Leipzig 1930, 107ff. Sehaedex, Gnomon V, 353ff. Zu pater, parens in Zusammenhang mit der mystischen Wiedergeburt vgl. Reitzenstein, Poimandres 216; Dieterich, Mithrasliturgie 146f. 11 G. v. Randenborgh, Vergottung und Erlösung: Festgabe für A. Schlatter, Berlin 1927, 115. 12 Außerdem entspricht der ״Ruf nach oben“ (sursurn vocatio) bei Philo dem avtoOev bei Johannes. Andere Parallelen: Philo divina nativitas, Joh. iv. Jeou eyevvTjlbjsav 113; 229; 3öf.; 47; 5jf.