Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Der Begriff der Palingenesie im talmudischen Schrifttum
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 4)
- Language
- German
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Der Begriff der Palingenesie im talmudischen Schrifttum 197 der mystischen Auffassung der Antike, wonach der Eingeweihte der Gottessohnschaft teilhaftig wurde0. Derselbe mystische Gedanke liegt m. E. auch der Deutung von •והוריתי‘[־ im Midrasch zugrunde. Die Stellung Gottes gegenüber Mose im Augenblicke seiner Einweihung und der Beauftragung zur höheren Sendung wird mit der Beziehung einer gebärenden Frau zum neugeborenen Kinde verglichen. Gott ist gleichsam — um den Ausdruck Lykophrons zu gebrauchen — die SsuTspa tskougoc des Mose. Die Folge davon ist, daß Mose nunmehr berechtigt ist im Namen Gottes zu sprechen, wie es auch in Fortsetzung von והורייתיך lautet אשר תדבר, damit du sprechest. Das hat natürlich mit der physischen Heilung des Sprachorgans nichts zu tun. Zwar ist manchmal mit der mystischen Neuschöpfung auch eine physische Erneuerung verbunden. So verhält es sich mit den antiken Mysterien, und namentlich mit dem phrygischen Taurobolium, jedoch handelt es sich in unserem Falle um rein geistige Vorgänge. Überdies vermag ein Vergleich mit Philo auf die wirkliche Bedeutung der Midraschstelle klares Licht zu werfen. Denn auch Philo kennt den Gedanken der Wiedergeburt im Zusammenhang mit der Einweihung und Berufung des Mose zum Prophetenamt. So lesen wir bei Philo Quaest. in Exodum II, 16 zu 2 Mos 2416 (״Und die Herrlichkeit Gottes ruhte auf dem Berge Sinai. . . und er rief Mose“): ״Der Ruf des Propheten nach oben ist die zweite Geburt, die besser ist als die erste; denn die erste Geburt ist mit dem Leibe vermengt und ihre Urheber sind vergänglich, hingegen ist die zweite Geburt ungemischt und einfach — die des leitenden Geistes. Dabei findet eine Verwandlung statt von einem geborenen Wesen in ein ungeborenes, das keine Mutter kennt, sondern nur 9 Zur mystischen Pormel ysw^tyjs twv ä*swv vgl. E. Bolide, Psyche (Tübingen 1925), 421f. Man vgl. auch die Pormel ir.o xoXtcov eöuv: der Eingeweihte wird von der Göttin zwecks Wiedergeburt in den Schoß aufgenommen. Dazu s. A. Dieterich, Mutter Erde 55; Körte, Archiv für Religionswissenschaft XIX (1919), 433ff. Vgl. auch Dieterich, Mithrasliturgie 138. Zur mystischen, geistigen Adoption, oder genauer zum Geist der Adoption (!:vsujjLa utoö־ect«$) im Zusammenhang mit der Gotteskindschaft, Römer-Brief 815f. Ähnlich bei Epiktet, Th. Zahn, Der Stoiker Epiktet und sein Verhältnis zum Christentum2, 30, 44,