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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 196

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Der Begriff der Palingenesie im talmudischen Schrifttum
Date
1939-01-01
Page
Seite 196 (sequence 3)
Language
German
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196 Edmund Stein I ״Physische,“ Palingenesie 1. Schemoth rabba III, 15 zu 2 Mos 412 ist von der Sendung des Mose die Rede. ״Was bedeutet והוריתיך? — Ich mache dich zu einem neuen Geschöpf (בדיה חדשה), wie es heißt: Und die Frau ward schwanger (2) (וההר Mos 22).“ והוריתיך wird somit vom Stamme הרה, schwanger werden, abgeleitet. Klarer heißt es im Midrasch Tanchuma ed. Buber, Schemoth 18: ״Wie eine Frau, die schwanger wird und gebiert; denn das Schriftwort lautet והוריתיך.“ Billerbeck findet darin einen rein physischen Sinn, als sei damit gesagt, daß Gott das Sprachvermögen des Mose, der eine ״schwere Zunge“ hatte, erneuern, d. h. stärken werde. Dem ist aber nicht so, da Mose auch nach der Palingenesie des Beistandes seines Bruders bedarf, der ihm als ״Mund“ dienen soll (2 Mos 416). Die Stelle enthält — anders als Billerbeck es ahnte — einen tiefsinnigen Gedanken über das Wesen der göttlichen Einweihung. Der Einweihungsakt ist nach klassischer Auffassung eine Neu- Schöpfung, da der Eingeweihte von der Gottheit gleichsam neu erschaffen wird. Auch das Bild von der göttlichen Adoption ist geläufig. Manchmal gehen beide Vorstellungen ineinander über. So ist bei Apuleius der Eingeweihte ״neugeboren“4, und die Mysten des Mithras werden in einer alten Inschrift ״die zum ewigen Leben Neugeborenen“ genannt5. Der Tag der Einweihung ist heiliger Geburtstag6. Auch die Adoption verbindet sich mit dem Neu- Schöpfungsgedanken. Hera, die Herakles adoptiert und einweiht, ist die ״zweite Gebärerin“7. Überhaupt kommt in den Adoptionsriten der Gedanke zum Ausdruck, daß der Adoptierte neu geboren wurde8. Wenn also im Neuen Bunde die Taufe eine Neugeburt bewirkt, wie wir es im Titus-Briefe gesehen haben, so entspricht das 4 Apuleius Met, 16,21: renatus. Vgl. dazu Reitzenstein, Mysterienreligion 67 (״Transfiguration des menschlichen Lebens“). 5 Corpus Insciiptionum Lat. VI, 510.736 in aeternum renati. 6 Apuleius Met. 24: natalis sacer. Zur Wertung des Ausdruckes s. Dieterich, Mithrasliturgie 146f. 7 Lycophron, Alexandra 39: oeuxspa xexoucra. 8 Vgl. Hesychios s. v. SeuxspoVox^o?.

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