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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 195

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Der Begriff der Palingenesie im talmudischen Schrifttum
Date
1939-01-01
Page
Seite 195 (sequence 2)
Language
German
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Der Begriff der Palingenesie im talmudischen Schrifttum 195 Palingenesie auch im Talmud bekannt ist. Indes wird der sittliche Charakter der Palingenesie für den Talmud bestritten und damit ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Talmud und Evangelium in Abrede gestellt. So verfuhren hauptsächlich Strack-Billerbeck in ihrem Kommentar3 zur angeführten Johannes-Stelle. Der talmudische Palingenesiebegriff wird von Billerbeck — Strack hat bekanntlich dem Erklärungswerk nur seinen Namen gegeben — rein äußerlich gefaßt. Eine tiefere Bedeutung für das Leben der Seele und deren Läuterung wird nur der neutestamentlichen Palingenesie zuerkannt. In diesem Sinne sucht Billerbeck die einschlägigen Talmudstellen zu erklären. Was die anderen Gelehrten betrifft, die sich mit dem Palingenesiegedanken befaßten, so ließen sie sich entweder — wie Büchsei und Procksch — auf das talmudische Schrifttum gar nicht ein oder sie taten es nur beiläufig und im Sinne der Billerbeckschen Ausführungen. Im folgenden wollen wir das Material nochmals genauer untersuchen und wir werden dabei von den — nach Ansicht Billerbecks — äußerlicheren Fassungen der Begriffe zu immer innerlicheren und geistigeren fortschreiten. zuleiten sei, vertritt Procksch, Wiederkehr und Wiedergeburt, Festschrift- Ibmels, Leipzig 1928, 1—18. Procksch weist nach, daß die biblische Palingenesie einen kosmisch-eschatologischen (Jes 6518; 6622) wie auch psychologisch-sittlichen (Ezech 111e; 18sl; 3626; Jer 24ד) Sinn hat. Nach Herkenne, Das Buch der Psalmen (Bonn 1936), 25 zu Ps 5112, enthält der Vers (״Schaffe mir, Gott, ein lauteres Herz, und einen festen Geist erneuere in meinem Innersten“) ״keimhaft die neutestamentliche Vorstellung von der Palingenesie“. Ebenso ist Büchsei geneigt, dem nachbiblischen Judentum die Palingenesie beizulegen, nur daß er das auf das hellenistische Judentum (Septuaginta, Philo, Josephus) einschränkt. Büchsei (S. 688) denkt sich den literarischen Vorgang so, daß der kosmische Palingenesiebegriff der Stoa (Wiederherstellung des Kosmos nach dem Weltbrand, IxTCupöxjis) in das Judentum eingedrungen ist. Hier habe er einen religiössittlichen Sinn angenommen und in dieser Umbildung sei der Begriff in das Christentum übergegangen. Zur stoischen Palingenesie s. Dey 6ff. Büchsei weiß von talmudischer Palingenesie überhaupt nichts. Dey widmet ihr nur einige Sätze, in denen er die Ansicht Billerbecks zusammenfaßt (S. 160). 3 II. L. Strack und P. Billerbeck, Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch II, 421 ff. 13*

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