Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Die Strafen der Religionsfrevler im Diesseits nach der Agada
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Strafen der Religionsfrevler im Diesseits nach der Agada 187 ein agadisches Rätsel, das allerdings nicht vereinzelt dasteht. Einerseits wird er unter den Personen aufgezählt, die lebendig, ohne die Stachel des Todes zu spüren, ins Paradies gefahren sind1. Andererseits wird ihm die Strafe zuteil, die auch seine hochmütigen Genossen getroffen hatte. Wie kamen die Agadisten zu diesem Schlüsse? Gewiß nicht nach dem Wortlaut oder einfachen Sinne der hier zur Verfügung stehenden oder herangezogenen Schriftsteller. Der Hochmut des tyrischen Königs, der mit Hiram identisch sein soll, ist in Ezech 28 2 ziemlich deutlich ausgesprochen, wodurch er zu den Theomachoi gezählt werden konnte. Seine Strafe läßt aber in v. 17 eine viel einfachere Deutung zu, die besagt, daß sein Sinn hochfahrend gewesen sei, und zwar wegen seiner Schönheit, die seine Weisheit zunichte machte. Hiram wurde auf die Erde gelegt und die feindlichen Könige weideten ihre Augen an dem gefallenen Gottesfrevler. Das Verbum, das gewiß schon den alten Exegeten Schwierigkeiten machte, wurde des einfachen Wortsinnes entkleidet und im obigen Sinne umgedeutet (vgl. noch zu den obigen Quellen Rabbi Jehuda im Namen Rab’s b. BB 75 a Gen. r. 9, 5, Marmorstein, Midrasch, Haseroth we Jeseroth S. 35, Anm. 141). — Der zweite König dieser Gruppe ist Nebukadnezar. Seine Vergöttlichung geht auf Jes 1414 zurück. Er sagt: Ich will zur Wolkenhöhe hinaufsteigen, dem Höchsten mich entgegensteilen. Er betrachtet sich als einen Gott — also ein wahrer Theomachos. Seine Strafe war auch dementsprechend. Er wurde seiner königlichen Würde beraubt, von seinem Palast vertrieben, sieben Jahre lang war er, unter den wilden Tieren in den Wäldern umherirrend und Gras fressend, ein Tier, von den Tieren als ihresgleichen betrachtet und behandelt (vgl. Lev. r. 18, 3). Diese Deutung wird mit Dan 4 22 belegt und mit Hab 217 zusammengestellt. — Der dritte Gottesfeind war der König von Juda, Joasch. Hiram 1 Vgl. Traktat Kallah, ed. Coronel, in חמשה קונטרסים, Wien 1854, S. 913, ferner מסכת כלה, ed. Higger, New York 1936, S. 246, ferner desselben ps-pn מ׳, S. 69, ferner die Quellen in Jalkut Shimeoni Ezekiel, Nr. 367. Bezeichnenderweise fehlt Hiram in den Versionen der Pirke des Rabbenu ha-Kadosh, ed. Schönblum und Grimhut.