Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Ein Wort über die Stellung des Talmuds zum Anthropomorphismus
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Michael Guttmann An dieser Stelle mag diese allgemeine und kurze Bemerkung genügen. Nicht zu unterschätzen sind die neuen Untersuchungen in ihren Aufschlüssen über die Tiefen der Menschenseele. Die aufgezählten Systeme und noch mehr die einschlägigen Forschungen und Beobachtungen kulminieren in der Feststellung, daß es der Menschenseele eigen ist, auch ohne Zuhilfenahme ihrer körperliehen Apparate, der Sinne, Erkenntniselemente in sich aufzunehmen. In physikalisch-mathematische Formeln lassen sich freilich solche Wahrheiten nicht kleiden. Gleichwie es besonders begabte Individuen gibt, tiefveranlagte intuitive Naturen, gab es und gibt es auch heute noch Seelen, die für Jenseitsinhalte besonders empfänglich sind. Die Seele hat im allgemeinen einen Winkel, wo auch Übersinnliches, Transzendentales Platz hat. Wir verlangen von den bisherigen neueren Feststellungen nichts mehr als einen bescheidenen Ersatzkommentar zu Offenbarungstatsachen und Prophetenworten, die dem jüdischen Altertum als Urgegebenheiten bekannt waren, die aber später, besonders durch fremde Einflüsse, in Vergessenheit gerieten. Die biblischen Offenbarungen und Prophetien vollzogen sich, wie bereits erwähnt, in Traumgesichten und in ekstatischen Visionen verschiedensten Grades. Maimonides beschreibt die Prophetenschau mit folgenden Worten (Jess. Hat. 7,2): ״Die Propheten haben verschiedene Stufen. So, wie es unter Gelehrten kleinere und größere gibt, so gibt es nach der prophetischen Gabe kleinere und größere Propheten. Keiner von ihnen sieht die prophetische Vision anders als im nächtlichen Traum oder am Tage im apathischen (oder lethargischen) Zustande, wie es heißt (Num 12 6) ״im Gesicht tue ich mich ihm kund, im Traum rede ich mit ihm“. Alle Propheten erbeben in allen Gliedern während des Empfangens von Eingebungen, ihre Körperkraft erlahmt, ihr (eigenes) Denken versagt, ihre Seele bleibt frei für das Verstehen des Erschauten usw.“ Und was sind nun die Bilder, die der Prophet im Traume oder in der Ekstase zu sehen bekommt? Können sie etwa als echte Ab- Bildungen natürlicher Muster angesproehen werden? Haben etwa