Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Ein Wort über die Stellung des Talmuds zum Anthropomorphismus
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 6)
- Language
- German
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Über die Stellung des Talmuds 2um Anthropomorphismus 155 מהיכן נבראת האורה ל א״ל. מלמד שנתעטף בה הקב״ה כשלמה והבהיק זיו הדרו מסוף העולם ועד סופו. - אמרה לו בלחישה. - א״ל, מקרא מלא הוא (תהל׳ קד! ב) עוטה אור כשלמה! ואת אמרת לי בלחישה אתמחה? - אמר ר, ברכיה, אילולי שדרשה ר׳ יצחק ברבים לא היה אפשר לאומרה. Es könnten noch weitere Parallelen angeführt werden, doch können schon aus den bisherigen Zitaten die für Midrasch und Talmud kennzeichnenden Anschauungen über Anthropomorphismus mit einiger Bestimmtheit angegeben werden. Im Prinzip wird der Anthropomorphismus von allen talmudischen Schulen abgelehnt. Eine Ausnahme bilden die Anthropomorphismen der Hl. Schrift, vor denen nahezu stillschweigend haltgemacht wird. Die biblische Autorität erstreckt sich zu einem guten Teil auch auf die agadischen Erklärer und Ausgestalter der anthropomorphistischen Bibeltexte, doch werden hier schon manche individuellen Unterschiede gemacht. Es gibt, wie wir noch sehen werden, gute Agadisten, die in der Ausdeutung von Anthropomorphismen vorsichtig sind, es gibt aber auch solche, die das Maß tieferen Denkens überschreiten und zu Mißverständnissen Anlaß geben. Erldärangen letzterer Art werden schon in tannaitischer Zeit abgelehnt. Akiba selbst wird nicht selten der Vorwurf gemacht עד מתי אתה עושה שכינה חול ן Chag. 14a; Sanhed. 38b. Spätere Autoren nehmen dies noch viel strenger. Von Maimonides braucht dies nicht erst gesagt zu werden. Aber auch der viel nachsichtigere RABD nennt solche Agadatexte (Teschuba 3 6) דברי האגדות המשבשות את הדעות ... Eine ausgesprochene Grenze findet der Anthropomorphismus in talmudischer Zeit in der bildlichen Darstellung des Göttlichen. Die halachisehen Vorschriften sind hier so streng, daß ein wirklicher Anthropomorphismus praktisch niemals Fuß fassen konnte. Die kühnste Phantasie wird durch das Verbot aller bildhaften Darstellungen gezügelt, wodurch die Vergöttlichung des Naturreiches ausgeschlossen wurde. Der sinnlich eingestellten Phantasie ist hiermit alles Sichtbare, alle sinnliche Nahrung entzogen. Es bleibt ihr nichts anderes als das gesprochene oder geschriebene Wort.