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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 154

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Ein Wort über die Stellung des Talmuds zum Anthropomorphismus
Date
1939-01-01
Page
Seite 154 (sequence 5)
Language
German
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154 Michael Gruttmann phismen gebrauchte Formel ״ אלמלא מקרא כתוב אי אפשר לאמרהWürde es nicht in der Hl. Schrift stehen, so dürfte es (vom gewöhnlichen Menschen) nicht ausgesprochen werden“ (Ber. 32 a. Weitere Stellen sind in meinem Clav. Tim. lila, Breslau 1926, S. 78 zusammengestellt). Eine andere Ausdrucksweise Gen. r. 15 אילולי הדבר כתוב אי אפשר לאומרו ובו, Nach Auffassung talmudisch-midraschischer Tradition treten also die Anthropomorphismen zuerst gerade in der Hl. Schrift auf, der gewöhnliche Gebrauch hingegen ist sekundär und erst durch das Bibelwort veranlaßt worden. Dies wäre das gerade Gegenteil von dem, was man in die erste Formel hineingelegt hat, daß nämlich die primäre Quelle anthropomorphistischer Redensarten und bildli eher Wendungen imSprachgebrauchdesVolkes zu suchen sei, der Bibeltext aber wäre in seinen Anthropomorphismen schon einem voraufgegangenen Sprachgebrauch gefolgt (דברה תורה כלשון בני אדם). Viel schärfer und deutlicher tritt die alte Auffassung in fol- הקב״ה אמר (איכה ג! מח) פלגי :gendemMidrasch (Echasuta4, N. 18) hervor מים תרד עיני על שבר בת עמי; אילולי שהכתוב מדבר; היה הלשון האומרו חייב לחתכו אברים אברים! אלא קדמו ראשונים שנא׳(איוב יח, כ) וקדמונים אחזו שער; כתוב שער תלויה. Auf diese Stelle folgt eine Reihe von agadischen Darstellungen, die sich in erzählender Form offensichtlicher Anthropomorphismen bedienen mit dem Hinweis auf Bibelworte, die dasselbe tun. Mit anderen Worten: Anthropomorphismus an sich wäre schwere Blasphemie. Wer sich dessen in Vorträgen und Darstellungen bedient, würde eine schwere Sünde begehen — ,,die Zunge, die es tut, sollte zerstückelt werden“ —. Was aber den sprachlichen oder schriftlichen Gebrauch von Anthropomorphismen entschuldigt, ist das vorangegangene Vorbild in der Hl. Schrift. Das Prinzip der Vorbildlichkeit wird auch auf einzelne bewährte Autoren von anthropomorphistisch klingenden Erklärungen angewandt. Letzten Endes finden aber auch diese ihre Vorlage in der Hl. Schrift. Bezeichnend hierfür ist folgende Stelle (Gen. r. 33,4): ד שמעון בן יהוצדק שאל לר׳ שמואל בר גחמן. א׳׳/ל מפני ששמעתי עליך שאתה בעל אגדה« 4 Midrasch Suta ed. Buber, Berlin 1894, S. 66.

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