Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Dubletten in Gebetstexten
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 3)
- Language
- German
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144 Arthur Israel Spanier feststeht, ihr Wortlaut aber sich erst noch in einem früheren Stadium der Fixierung befindet. Auch was ausdrücklich an Regeln und Forderungen in der Richtung auf eine Festlegung des Gebetes in der tannaitischen Literatur aufgestellt wird, bezieht sich selten auf den Wortlaut und gewöhnlich auf die Auswahl der Motive, deren Zusammenfügung oder auch nur auf den allgemeinen Aufbau des Gebetes. So gibt es zum אמת ויציב- Gebet — um wiederum auf dieses Mnzuweisen — die Äußerungen Tos. Ber. II, 1 (S. 3, 16): הקורא ארג שמע צריך להזכיר יציאת מצרים באמת ויציב ר׳ מאיר אומר צריך להזכיר בה מלכות אחרים אומרים צריך להזכיר בה מכת בכורות וקריעת ים סוף. Hierzu findet sich im palästinischen Talmud Ber. I, 9 (3d 68) eine Bemerkung, die für den nun einsetzenden oder vielmehr sich steigernden Vereinheitlichungsvorgang bezeichnend ist: die Bemerkung des R. Josua b. Lewi, eines Amoräers aus der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts: צריך להזכיר את״ כולן וצריך לומר צור ישראל וגואלג R. Josua b. Lewi sucht hier also Verschiedenheiten der Gebets- Überlieferung dadurch auszugleichen, daß er sie miteinander vereinigt: das zeigt sich nicht nur im ersten Teil seines Satzes, sondern auch im zweiten; denn auch der Ausdruck צור ישראל וגואלו ist eine Kombination aus den beiden Formulierungen צור ישראל und גואל ישראל, und diese beiden Formulierungen der Schluß-Eulogie müssen nun freilich schon in der tannaitischen Zeit bestanden haben. Im babylonischen Talmud findet sich das Streben, in ähnlicher Weise zwischen zwei Versionen zu vermitteln, bei niemandem häufiger und entschiedener als bei Rah Papa, einem Amoräer der Mitte des vierten Jahrhunderts. Sein hierfür geläufiger Ausspruch הילכך גימרינהו לתרוייהו oder הילכך גימרינהו לכולהו (Ber. 11b, 59b, 60b, Meg. 21b, Sota 40a) bezieht sich — und das ist sehr bezeichnend — niemals etwa nur auf Gedankenmotive wie der erste Teil des Satzes R. Josua b. Lewis, sondern immer auf formulierte Texte. So beleuchten beide Aussprüche in ihrer Weise die letzte Phase des auf die Ausbildung der beiden Grundriten hinführenden Ent-