Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Dubletten in Gebetstexten
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 2)
- Language
- German
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Dubletten in Gebetstexten 143 Dann aber nahm die Entwicklung denn doch in gewissem Sinn einen umgekehrten Gang. Sie schritt von der Mannigfaltigkeit zur Vereinheitlichung: und dies offenbar sowohl in Palästina wie in Babylonien. Es kam zur Herausbildung des palästinischen Ritus und des babylonischen, auf welch letzteren die heute überall in der Welt verbreiteten Riten des jüdischen Gebetes mehr oder weniger zurückgehen. Das will besagen, daß der Schatz von Möglichkeiten, von dem wir soeben sprachen, sich verringerte; die Verschiedenheiten, die innerhalb ein und desselben Gebietes bestanden, schliffen sich immer mehr ab. Es kam — willkürlich oder unwillkürlich — zu einer Auslese und vermutlich auch zu Zusammenlegungen, bis sich schließlich nur eine Form, eine Gestalt immer gebieterischer durchsetzte. Dieser Entwicklungsverlauf läßt sich noch deutlich aus den Zeugnissen der talmudischen Literatur ablesen. Es wäre eine reizvolle Aufgabe, das gesamte in den Talmuden vorliegende einschlägige Material einmal sorgfältig daraufhin zu prüfen, was es über die einzelnen Phasen dieses Vereinheitlichungs- und Festigungsprozesses auszusagen vermag, der zur Bildung der beiden Grundriten—des palästinischen und des babylonischen—führte. Für die Zwecke des vorliegenden Aufsatzes mag es jedoch genügen, auf Weniges und Bekanntes hinzuweisen. In der Mischna wird der Wortlaut eines noch heute lebendig gebliebenen Gemeindegebetes nur an einer Stelle zitiert: in Tamid V, 1 wird das Gebet אמת ויציב erwähnt, und zwar mit diesen beiden ersten Worten, mit denen das Gebet noch heute benannt wird und schon zur Zeit der Mischna benannt werden konnte, weil eben diese Worte damals schon fest geworden waren. Auch in der Tosefta — Ber. II, 1 (S. 3, 16) u. III, 6 (S. 6, 14) — wird von allen Benediktionen des Sch’ma-Zyklus und der Tefilla gerade nur diese — אמת ויציב — mit ihren Anfangsworten zitiert und benannt. Sonst erfolgt in der tannaitischen Literatur die Benennung der Benediktionen nach ihrem Inhalt: so besonders in Mischna Rosch hasch. V, 5 und JomaVII, 2. Das läßt den Schluß zu, daß zwar der Gedankengang der Gebete schon mehr oder weniger