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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 118

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Die Entwicklung der Doppelformen der Buchstaben mnzpk und ihre Bedeutung als Kriterium für die Entstehungszeit des masoretischen Bibeltextes
Date
1939-01-01
Page
Seite 118 (sequence 18)
Language
German
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118 Harry Torczyner Oder positiv ausgedrückt: Die Bia soretische Schreibweise steht der der dritten Periode am nächsten, in der offenes und geschlossenes Mem nebeneinander gebraucht werden, nur daß in ihr autoritativ festgesetzt ist, wo offenes und wo geschlossenes Mem zu stellen hat. S. dazu im folgenden. Die Schreibweise unseres masoretischen Textes ist demnach älter als selbst ein großer Teil der Ossuarien, muß also aus vorchristlicher Zeit stammen. Aber andererseits sehen wir, daß diese Schreibweise und damit .die Vorlage, die ihr zugrunde liegt, noch nach der Zerstörung und selbst in frühtannaitisclier Zeit keine bindende Geltung hatte. Denn nicht nur setzen jene Aus- Sprüche bis in das zweite nachchristliche Jahrhundert eine grundsätzlich andere Schreibweise voraus, sondern auch die Nachrichten über die anderen Varianten der Severusrolle, über die Torarolle des R. Meir und viele bekannte Bibelzitate im Talmud bezeugen verschiedene Abweichungen von dem Text, der heute bei uns gilt. Und so haben wir zwei Daten zu unterscheiden: Das der Entstehung jener Vorlage, die unserer masoretischen Überlieferung zugrunde liegt einerseits, und das der Festsetzung dieser Vorlage als die für die Zukunft verbindliche Grundlage des Textes. Nicht eine junge Abschrift, sondern eine Vorlage aus älterer, vorchristlicher Zeit bildet die Grundlage des masoretischen Textes und seiner Schreibweise. Es liegt hier eine Rückkehr zu älterem Usus vor, nachdem die Entwicklung bereits weiter fortgeschritten, und z. B. das offene Mem aus dem Schriftgebrauch bereits verschwunden war! Und so ergibt es sich, daß den talmudischen Nachrichten sowohl aus Palästina als aus Babylonien in der Tat historische Tat- Sachen zugrunde liegen. Der Schriftgebrauch in bezug auf מנצפך war in der Tat völlig vergessen und mußte auf Grund der alten Vorlage erst wieder hergestellt werden. Allerdings zeigt der Satz: "מנצפך haben die Zofim gesagt“ oder ״eingerichtet“ alle Merkmale agadischer Deutung. Aber agadisch ist eben hier nicht der historische Vorgang der Wiedereinführung von Doppelformen, sondern daß für ihn eine Be-

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