Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 106

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Die Entwicklung der Doppelformen der Buchstaben mnzpk und ihre Bedeutung als Kriterium für die Entstehungszeit des masoretischen Bibeltextes
Date
1939-01-01
Page
Seite 106 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850771--55769-2850961
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

106 Harry Torczyner auch irrig, die Entstehung der Doppelformen für die Buchstaben מגצפך auf jüdischem Boden allein zu suchen. Die aramäische Schrift, die die Juden zunächst neben dem althebräischen Alphabet annahmen, und die wir bei ihnen zuerst in den Papyrusurkunden von Elephantine in Gebrauch finden, ist die aramäische Reichsschrift, die im babylonischen Reich und später bei dessen Nachfolgern, den Persern, für die internationale aramäische Reichssprache sich entwickelte, nachdem das Aramäische neben dem Babylonischen und Persischen offizielle Geltung als Vermittlungssprache für den ganzen vorderen Orient gewann6. Durch das Reich der Babylonier und Perser, von Persien bis nach Ägypten, herrscht diese Sprache und ihre Schrift. Und die Juden übernehmen diese Schrift in ihrer Weiterentwicklung, schreiben in den Formen, die nicht nur in Ägypten, sondern auch in Mesopotamien in den Jahrhunderten vor und nach dem Exil üblich waren, und gelangen allmählich zur quadratischen Schrift, nachdem die aramäische Reichsschrift selbst nach und nach zu dieser Schriftform gelangt war. Man braucht nur z. B. die Schrifttafel des palmyrenischen Alphabets in J. Cantineaus Grammaire du Palmyrenien Epigraphique einzusehen, um zu erkennen, daß z. B. die palmyrenische Schrift der letzten vorchristlichen Jahrhunderte mit der hebräischen Quadratschrift dieser Periode so gut wie identisch ist (vgl. z. B. die Schrifttafel III zum Aufsatz ,,Alphabet“ in Encyclopaedia Judaica Bd. II, 418). In jener Periode gibt es einen noch genauer zu bestimmenden Zeitpunkt, wo sich das Hebräische von dem Hauptstamm der aramäischen Schrift abtrennt, und von da ab erst entsteht eine eigene hebräische Quadratschrift, die mit der Bibel und mit den Juden ihre Sonderwege geht. Und was im besonderen die Doppelform der מנצפך betrifft, so haben auch diese Doppelformen sich keineswegs zuerst auf dem hebräischen Schriftgebiet entwickelt. Vielmehr stellt der Zustand im Hebräischen, das nur für fünf Zeichen solche Doppelformen aufweist, ein Stadium in einer Entwicklung dar, die an anderen Zweigen 6 Vgl. meine Schrift מלים שאולות בלשוננו Kap. V (Leshonenu VIII, S. 265—269).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.