Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Die Entwicklung der Doppelformen der Buchstaben mnzpk und ihre Bedeutung als Kriterium für die Entstehungszeit des masoretischen Bibeltextes
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Harry Torczyner Mittel-Mem am Ende bietet, hat kein Späterer diese Ausnahmen zu korrigieren gewagt. Wohl konnten die Schriftformen als solche sich auch nach der Festlegung des Textes bis zu ihrer traditionellen ,,quadratischen‘c Form weiterentwickelt haben, aber eine sachliche Differenzierung, wie die der Unterscheidung verschiedener Formen für verschiedene Stellung im Wort mußte vor der Festsetzung des verbindlichen Textes erfolgt sein und könnte darum einen wichtigen Terminus post quem für sie abgeben. Die folgende Untersuchung mag nun zeigen, daß auch diese scheinbar einfache Fragestellung wesentlich zu modifizieren ist, ehe sie zu festen Ergebnissen führen kann. Wann erfolgte die Einführung dieser Doppelformen für die fünf Buchstaben מנצפך? Befragen wir die talmudische Überlieferung, so ist zunächst festzustellen, daß diese selbst nicht einheitlich und überdies von den Späteren grundsätzlich mißverstanden ist. Allgemein wrird der bekannte in den talmudischen Quellen wiederkehrende Satz angeführt ״ מנצפך צופים אמרוםDie מנצפך haben die Zofim gesagt“, und das wird so verstanden, als hätten die Zofim die Doppelformen erfunden und eingeführt; und die Zofim, die ״Späher“, selbst werden mit den Propheten oder den Soferim zur Zeit Esras identifiziert. Und so wird die Doppelform dieser Buchstaben einfach mit dem ״Schriftwechsel zur Zeit Esras“ in Verbindung gebracht und beides in die Zeit unmittelbar nach der Rückkehr aus dem Exil gesetzt. Nun ist dieser Schriftwechsel zur Zeit Esras selbst allerdings nichts als eine der agadischen Annahmen, die in der talmudischen Literatur über die Verschiedenheit der althebräischen und der ״assyrischen“ Schrift geäußert werden, gestützt auf die Deutung des persischen Lehnworts כתב) הגשתון) (Esra 4 7 11 ל י) als ״ כתב שנשתנהdie Schrift die sich verändert hat“; und dieser Ansicht stehen andere Ansichten gegenüber, wonach ein solcher Schriftwechsel überhaupt nicht erfolgte. Diese Ansichten stützen sich auf andere Deutungen, wie die aus dem Bibelwort ווי העמוךים (Ex 2710) ״die Haken der Säulen“, woraus gefolgert wird, daß