Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Neue aramäische Urkunden aus der Zeit der Achämenidenherrschaft in Ägypten
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 2)
- Language
- German
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94 Eugen Israel Mittwoch Schon der Beschreibstoff, der hier benutzt ist, kann als eine wertvolle Bestätigung einer bisher vor allem nur aus indirekten Quellen bekannten Tatsache gelten. Daß die Perser spat besaßen, erzählt Diodor (II, 32 4) nach Ktesias. Akkadische Zeugnisse lassen den Gebrauch dieses uralten Materials in der babylonisch-assyrischen Kanzlei mit Sicherheit vermuten. Die uns überkommenen Schriftstücke auf Leder aus alter Zeit sind sehr gering an Zahl; aus dem iranischen Kulturkreise selber waren bis jetzt als Zeugen des Gebrauchs von Tierhaut vor allem die drei Urkunden von Awromän und die Dura -Pergamente bekannt, und diese gehörten in keine frühere Zeit als in die vom 1. Jahrhundert vor bis zum 3. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung. Nur ein kleines Lederstückchen mit aramäischer Beschriftung war schon auf Elephantine gefunden worden2. Jetzt haben wir eine ganze Sammlung solcher Lederurkunden vor uns. Der Inhalt der Urkunden läßt sich bei aller Mannigfaltigkeit doch auf eine recht einfache Formel bringen. Wir haben hier Teile eines Archivs eines Beamten ägyptischer Herkunft vor uns, der in seiner Heimat einen höheren Posten in der Verwaltung des dortigen Besitzes des Satrapen Arsäma einnahm, oder eher, wie es scheint, zweier Beamten, die sich vielleicht auf dem gleichen Posten nachfolgten, von denen der frühere den bekannten, auch in aramäischer Form sonst bereits belegten Namen פסמשך, der zweite, von dem in den meisten Urkunden die Rede ist, den Namen 3נחתחור führte. Die Schreiben, die nicht an diese beiden Personen unmittelbar gerichtet sind, beziehen sich in irgendeiner Form auf sie und auf ihre Amtsobliegenheiten und sind demnach wohl von ihren Adressaten an diese Beamten weitergeleitet worden. Daraus erklärt es sich dann, daß sie sich bei dem, was von dem Archiv Nahthor’s für uns gerettet ist, befanden. Alles, was wir hier lesen, sind in Briefform gehaltene Anwei- 2 Vgl. Sachau, 1. c., p. XXVIIIs. 3 Die Vokalisation dieses Namens, der ״Stark ist Ilorus“ bedeutet, ist durch die akkadische Umschrift des Namens Na-ah״ti״hu־ru־an-si-ni gegeben (vgl. Knut L. Tallqvist, Assyrian Personal Names, Heising״ fors 1914, Acta Soc. Scient. Fenn. 43, 1, p. 106).