Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Der Ibri
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 10)
- Language
- German
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Der Ibri 75 jener Zeit, besonders den Amarna-Briefen, ersehen. Mannigfach, hier und dort, hat es damals mehr oder minder geschlossene Grappen solcher ibrim, solcher habiru, solcher ‘apru gegeben. Aber begreiflicherweise ist innerhalb des biblisch-ägyptischen Erzählungsbezirks der Name nur bei der Gruppe geblieben, deren Anfänge und deren Volkswerdung, wie sie eben aus ibrim zu dem Volke Israel wurde, hier geschildert sind. Sie trägt hier bis zu ihrem Auszuge aus Ägypten den Namen ibrim, und auch das Land, aus dem sie nach Ägypten gekommen war, kann so in der Joseph-Erzählung das Land der ibrim22 heißen. Damit ist freilich das Wort hier fast in. die Nähe des Eigennamens, der Volksbezeichnung gerückt. Es bleibt fraglich, wann man in ihm zuerst eine solche gesehen hat. In der Zeit jedenfalls, in der die griechische Bibel- Übersetzung der Septuaginta verfaßt wurde, ist unser Wort in seiner alten Bedeutung kaum mehr ganz verstanden worden, und es hat in ihr bezeichnenderweise denn auch keine einheitliche Übertragung gefunden. Der tiefe Einschnitt, den der Siegeszug Alexanders bewirkte, die Hellenisierung der alten orientalischen Kultur- Zentren, das Schwinden des alten Ägyptens und des alten Babylons, löste auch sprachlich von einer Epoche los. So ist es nicht verwunderlich, daß damals der Sinn unseres Wortes nicht mehr voll begriffen wurde. Es ist die Art der Septuaginta, daß sie Schwierigkeiten, die ihr der hebräische Text bietet, zu umgehen sucht. So überträgt sie denn auch unser Wort zunächst einfach, indem sie ihm bzw. wohl seiner aramäischen Form עבראי eine griechische Endung anfügt, mit: 'Eßpaio?. Aber damit braucht noch nicht gesagt zu sein, daß sie unbedingt in unserem Worte einen Volksnamen erblickt hätte23. Sie gibt ja in der gleichen Weise z. B. das hebräische 22 Es ist allerdings auch denkbar, daß diese Bezeichnung Kanaans als ״Land der ibrim“ (Gen 4015) daher kommt, daß das Land Kanaan, wie die Amarna-Briefe sehen lassen, damals das Land war, in welchem sich von Osten eingedrungene habiru-Gruppen mannigfach Macht und Besitz erwarben. 23 Num 2424 ist עבר mit 'kßpa׳ouc allerdings wiedergegeben, vielleicht unter dem Einfluß alter Haggada.