Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Der Ibri
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 5)
- Language
- German
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70 Leo Israel Baeck Eine gewisse Bestätigung hierfür wird auch durch den dritten Bereich erbracht, in welchem unser Wort seinen Platz hat. In ihm bezeichnet es offenbar Leute, die in einem fremden Heere dienstpflichtig sind. Es wird hier nämlich, im Verlaufe der Kämpfe zwisehen Israel und den Philistern, erzählt (I Sam 13 3f.) ,,Jonatan schlug den Posten der Philister in Geba, und es hörten es die Philister. Und Saul stieß in die Posaune im ganzen Lande, indem er sprach: ״Hören sollen es die ibrim“. Und ganz Israel hörte es, indem es sprach: ״Geschlagen hat Saul den Posten der Philister, und verdächtig ist auch Israel bei den Philistern geworden.“ Hier wird unser Wort, das ist vorerst zu beachten, nicht von den Philistern und auch nicht zu ihnen hin gebraucht, sondern Saul spricht es für sich, zu sich. Es sind sodann drei Gruppen hier deutlich geschieden: die Philister, die von der Tat Jonatans hörten, die Israeliten, die gleichfalls davon hörten7, und die ibrim, die es hören sollen — denn es ist doch auch hier kaum anzunehmen, daß das Volk zuerst ״ibrim“ und unmittelbar danach ״jissrael“ benannt werde. Diese selben drei Gruppen sind dann auch im Fortgange der Erzählung gesondert (13öff.). Sie schildert hier, wie die Philister mit großer Übermacht heranbrechen, um den Überfall zu rächen, wie ״die Mannschaft Israels, isch jissrael“8, in die Enge getrieben und das Volk bedrängt wird, so daß sie alle sich Verstecke suchen, und als Letztes des Erfolges der Philister9 wird dann von dem Erzähler berichtet: ״Und ibrim zogen über den Jarden hinüber in das Land Gad und Gilead hin.“ Wieder stehen so die drei einander gegenüber: die Philister, das Volk Israel10, die ibrim. Das gleiche tritt uns in dem Schlußbericht dieser Kämpfe 7 Es ist zu beachten, daß es nicht heißt: וישמעו כל ישראל, wie man wohl erwarten konnte, wenn ״jissrael“ mit ״ibrim“ gleichbedeutend wäre, son־ (lern: וכל ישראל שמעו. 8 Zu der Bedeutung von isch vgl. A. S. Yahuda, Die Sprache des Pentateuch, S. 283. 9 Aus der Erzählung ist deutlich ersichtlich, wie die Philister nach Osten und zuletzt in das Ost jordanland Vordringen. 10 E. Auerbach, Wüste und gelobtes Land, I, 183, nimmt, ohne zwingenden Grund, an, unter ״Israel“ seien hier die Ephraimiten zu verstehen; unser Problem träte aber dann noch stärker hervor.