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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 64

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Zur Erzählung von Abraham
Date
1939-01-01
Page
Seite 64 (sequence 18)
Language
German
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IRI
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64 Martin Buber ganzen Tiefe und Bedeutung auf. Noch öfter als in irgendeinem früheren Abschnitt kehlt es in diesem wieder. Abraham sieht den Ort, wo die Tat vollzogen werden soll, von fern. Auf die Frage des Sohns antwortet er, Gott ,werde sich das Lamm zum Opfer ersehen. Im erlösenden Augenblick hebt er die Augen und sieht den Widder.!Tun aber ruft er über dem Altar als den Namen, der dieses Ortes, des Berges Moria, unvergängliches Wesen ansagt: ER wird sehen. Der Erzähler aber bezieht darauf, daß man zu seiner Zeit zu sagen pflegte: ״Auf dem Berg, wo ER sich sehen läßt . ..“ Gott sieht den Menschen und der Mensch sieht Gott. Gott sieht Abraham und erprobt ihn mit seinem Sehen, als den Bewährten und Ganzen, der vor ihm einhergeht und nun, am Ende des Wegs, auch diesen Ort, den Tempelberg, mit seiner Tat für Gott erobert; Abraham sieht Gott mit dem Blick seiner Tat und erkennt ihn, wie Mose ihn, die Glorie ״von hinten“ sehend, erkennen wird, als den Gnädigen und Barmherzigen. Schon die ägyptische Magd hatte den Gott gepriesen, der sie sieht und ״hinter dem“ sie hersieht; nun aber erschließen sich uns unmittelbar die Gegenseitigkeit des Sehens zwischen Gott und Mensch. Die gegenseitige Beziehung des Fordernden, der nur fordert um zu segnen, und des Opfernden, der im Augenblick der höchsten Opferbereitschaft den höchsten Segen empfängt, erscheint hier als die Gegenseitigkeit des Sehens: Gott sieht die innerste Wirklichkeit der Menschenseele, indem er sie durch sein Erproben hervörholt, der Mensch sieht den Weg Gottes, darauf er in dessen Fußtapfen treten darf. Der Mensch sieht, und er sieht auch, daß er gesehen wird. Wenn das Mitteln zwischen Oben und Unten und zwischen Unten und Oben die eine große Eigenschaft des Propheten ist, so ist dieses Sehen die andere. Jene wur in Abrahams Fürbitte für Sodom zur Vollkommenheit gediehen und Gott hatte ihn zum ersten Künder berufen. Nun aber erscheint uns, am Ende des Wegs, an dessen Stationen Erde und Himmel und Gott selber gesehen wurden, die Vollkommenheit des Sehens, als ein Sehen Und ein Gesehenwerden in einem. ״Den Künder von heutzütag rief man vormals Seher“, lesen wir in der Erzählung von Samuel und Saul (I Sam 9Ö). Auch dem

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