Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Zur Erzählung von Abraham
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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58 Martin Buber 3 Die sieben Offenbarungen an Abraham sind sowohl unter־ einander als mit den Erzählungen, die zwischen ihnen stehen, sorgfältig und bedeutsam verknüpft. Jede der Offenbarungen und jede der anderen Erzählungen steht an ihrer Stelle im ganzen und kann an keiner andren stehen. Die Offenbarungen erscheinen als Stationen eines Wegs von Erprobung zu Erprobung und von Segen zu Segen; keine von ihnen kann umgestellt werden, ohne das Ganze zu erschüttern. Durch keine Quellentheorie läßt sich dieses Gefüge erklären, das sehr mannigfaltig in Charakter und Stil Und doch von einer einheitlichen großen Anschauung zusammengehalten ist. Wenn man z. B. die so grundverschiedenen beiden Berichte des Bundesschlusses, das 15. und das 17. Kapitel, verschiedenen Quel־ lenschriften zuteilt, so ist damit ebensowenig wie bei den beiden Schöpfungsberichten klargestellt, w׳ie es zugeht, daß sie einander auf das genauste ergänzen, jedes die wesentlichen Motive enthält, die dem andern fehlen, und der zweite, ganz aktive, der die Namensänderung und die Verleihung des Bundeszeichens enthält, nicht anderswn als nach dem ersten, ganz visionären, stehen kann, der die Schau, Schau zu den Sternen und Schau in die Geschichte, und die Feuerserscheinung zwischen den Tierstücken schildert. Erst beide zusammen ergeben das vollkommene Gegenstück zum Noahbund : dort und hier wird Vieh und Vogel dargebracht, aber dort ist es ein Bund mit allem Lebenden, hier mit einem künftigen Stamme, dort und hier wird Lebenserhaltung in der Zukunft zugesprochen, aber dort allgemeine im öffentlichsten Zeichen, dem des Bogens, hier volkhafte im intimsten Zeichen, dem der Beschneidung, dort geht es um die Erde, hier um die Zeugung Israels. Das ist nicht Redaktion, sondern Komposition größter Art, und dergleichen kann nicht an Auszügen aus Schriften, sondern nur an der ganzen reichen und plastischen Materie der erzählerischen Überlieferung vollzogen werden. Und ebenso verhält es sich mit der Verknüpfung zwischen den einzelnen Offenbarungen und den zwisehen ihnen stehenden Erzählungen. Man teilt z. B. die Fürbitte