Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 57

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Zur Erzählung von Abraham
Date
1939-01-01
Page
Seite 57 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850767--55716-2850912
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Erzählung von Abraham 57 Reiches besucht, einen Herold vorausschickt, der sein Kommen ansagt Und den Weg vor ihm räumt. Dies eben ist Abrahams Amt. Aber wir müssen noch genauer erfassen, was ihm aufgetragen ist. Wir hören von ihm, daß er, das Land durchfahrend, zu Sichern und zu Bethel Altäre baut und den Gottesnamen ausruft, daß er später zu Beerseba eine Tamariske pflanzt und den Gottesnamen ausruft. Als Gebet2 ist dieses Rufen nicht zu verstehen, als Predigt an die Heiden erst recht nicht; für die letztere Bedeutung gibt es keinen Beleg, aber auch die erste ist nicht die ursprüngliche, wie schon daraus zu ersehen ist, daß die Schrift mit eben diesem Ausdruck (Ex 3319, 34 5) Gott selber seinen Namen ausrufen läßt. Das Ausrufen, wie wir es in der Zeit vor der Reichsgründung, von Abraham bis Gideon, mehrfach mit dem Bau eines Altars verbunden und zuweilen als Ausrufung eines neuen Namens (Gen 2 1 23, 3 3 20, Ex 1715, Ri 624) finden, bedeutet eine Proklamation. Wer eine Stadt erobert, dessen Name wird, wie wir aus einem Worte Joabs (II Sam 1228) wissen, darüber ausgerufen; eine etwas schwierige Psalmstelle (4912) erklärt sich daraus, daß die Namen der Grundherren über ihren Liegenschaften ausgerufen wurden. Von Gott hören wir, daß über dem Ort und über der Gemeinschaft, darin er als Herr Wohnung nimmt, sein Name ausgerufen wird: über der Lade (II Sam 62), über dem Tempel (I K 843 u. a.), über Jerusalem (Jer 2529), über ganz Israel (Dt 2810 u. a.). Abraham zieht, als Herold Gottes, ihm, dem König des künftigen Israel, voraus, er durchzieht die Provinz des Gottesreichs, in der der Herr einst Wohnung nehmen wird, und proklamiert sie durch Ausrufung des Namens Gottes als dessen Besitz und Residenz. Noah erscheint vor dem Hintergründe einiger Geschlechter einer völkerlosen Menschheit, Abraham vor dem aller Geschlechter eines Volkes, dem geboten ist, als ,,Volk Gottes“ die Völker zum Berge Gottes zu bringen, daß sie sich hier zur Menschheit verbünden. Noah steht an seinem Platz in der Natur, ein aus der Flut Geretteter, ein ,,Mann des Ackerbodens“; Abraham geht als Erster einen Weg in die Geschichte, ein Ausrufer der Herrschaft Gottes. 2 So zuletzt B. Jacob und Jeciieskel Kaufmann.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.