Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Zur Erzählung von Abraham
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Martin Buber in einer stillen, aber unüberbietbar starken Weise das Versagen des Volkes der Aufgabe gegenüber spürbar. Und bedeutsam ist auch jene zweite Selbsterklärung der Schrift, daß das Wort an Abraham ״Sei ganz“, zu Beginn des Abschnitts stehend, in dem ihm das Bundeszeichen Israels als das Israel von den Völkern scheidende geboten wird, als Wort an das Volk ״Ganz sollst du mit IHM deinem Gotte sein“ (Dt 1813), in einem Abschnitt wiederkehrt, der das Prophetentum gegen das Zauberwesen des Volkes stellt; nur diese beiden Male steht das Adjektiv in der Schrift in einem persönlichen Gebot, und die zweite Stelle erscheint dadurch als auf die erste zu beziehen. Man darf vermuten, daß in solchen Fällen die Redaktoren der Schrift absichtlich davon abgesehen haben, weitere Ausdrücke der gleichen Art aufzunehmen, um nicht den Eindruck des gegenseitigen Bezugs zu verwischen. Eine stärkere Abwandlung empfängt das dritte der drei kennzeichnenden Worte in der Erzählung von Abraham. ״Mit dem Gott ging Noah einher“, hat es dort geheißen; nun aber hören wir das Wort an Abraham: ״Geh vor mir einher!“ Wie wichtig es der Schrift ist, erkennen wir daraus, daß Abraham nach der Vollbringung seines Wegs der Erprobung und Bewährung das Vollbrachte ebenso ausdrückt (24 40), er sei vor Gott einhergegangen, und Jakob wreiß von seinen Vätern (4815) nur eben dies zu sagen. Doch auch dieses Bild ist nicht als Metapher für ״Gott ergeben sein“ zu verstehen, sondern konkreter und präziser. Heißt aber ״mit Gott einhergehen“ ihn begleiten, so hat ״vor ihm einhergehen“ eine andere Bedeutung. Wenn ein Führer zu den Geführten wie Samuel (I Sam 122) sagt, er sei vor ihnen einhergegangen, und nun gehe der von ihm gesalbte König vor ihnen einher, so sehen wir vor uns den Heereszug und den Feldherrn an seiner Spitze. Wenn aber das Verhältnis das umgekehrte ist, wenn etwa Gott (I Sam 230,35) zu Eli sagt, bisher seien die Männer des Hauses Elis vor ihm einhergegangen, nun aber, da dieses Haus von ihm abgefallen sei, wrolle er sich einen getreuen Priester bestellen, der vor dem Gesalbten Gottes einhergehen soll, so sehen wir vor uns das Friedensbild des Herrschers, der, ehe er selbst eine Stadt seines