Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Zur Erzählung von Abraham
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Erzählung von Abraham 55 Gottes als Bewährung. Das zweite in Verbindung mit dem dritten steht hier vollends nicht in der Form der Aussage, sondern in der des Befehls; Gott gebietet Abraham anscheinend, etwas zu werden, was Noah von selber war! Das scheint doch die Rangordnung der beiden zu verkehren. Man hat dem Rätsel schon früh nachgeforscht, und unsre Weisen waren auf der rechten Spur, als sie die Lösung in den Worten ,,in seinen Geschlechtern“ fanden: nicht absolut, sondern nur im Verhältnis zu seinen verderbten oder fragwürdigen Geschlechtern sei Noah bewährt und ganz gewesen.1 Daß die Schrift in der Tat mit ihnen sich selbst erklären will, wird darin offenkundig, daß sie an der entscheidenden Stelle der Gottesreden an Noah (7X) variiert werden: ״denn dich habe ich als vor mir bewährt in diesem Geschlechte gesehen“. Solche Wiederholungen zeigen sehr oft in der Schrift an: Hier merke auf, von hier aus wirst du verstehn. Nur muß man die Einsicht der rechten Deutung noch vertiefen. Noah ist, obgleich er als ״Mann der Adama“ den Bodenbau erneuert und die Adama vom Fluch befreit, wirklich der an ״seine Geschlechter“ gebundene. Er empfängt keine Aufgabe, die über sie hinausreicht, keine geschichtliche Aufgabe. Auch das Verbot der Blutvergießung, das ihm zuteil wird, ist ein allgemeines; nichts wird von ihm gefordert, das er und gerade er für künftige Geschlechter zu vollbringen hätte; nicht, daß er, wie Abraham, mit seinem Leben das Leben eines Volkes vorbereite, das der Völkermenschheit zum Muster des Gemeinschaftslebens werden soll. Bei Abraham kommt es nicht auf sein von Gott sozusagen Vorgefundenes Wesen, sondern auf sein Tun und sein Werden an. Sein Vertrauen, das Gott ihm als Bewährung achtet, daß er Gott nämlich vertraut, ehe dieser die Verheißung erfüllt, weist in bedeutsamer Weise auf das so ganz andere ״Vertrauen“ des Volkes hin, das Gott erst vertraut, nachdem Mose die Zeichen getan hat (Ex 431), und dann wieder, nachdem sie durchs Schilfmeer geführt und die Ägypter darin versenkt worden sind (1431): daß das Volk das nicht erfüllt, was Abraham vorweggenommen hatte, macht uns 1 Die wichtigstea weil entschiedenste, Formulierung scheint mir die des M. Tanchuma z. St. zu sein.