Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Zur Erzählung von Abraham
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850767--55712-2850908- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Erzählung von Abraham 53 von dem Begründer der eben gescheiterten zweiten Menschheit, von Noah; die zweite erfüllt sie durch den in strenger Architektonik aufgebaufcen Bericht von den sieben Offenbarungen an Abraham; die dritte erfüllt sie durch die Hindeutungen auf Dasein und Geschichte des Volkes, die in der Erzählung der Begebenheiten des Lebens Abrahams außerhalb des Berichts von den Offenbarungen enthalten sind. Ich beginne mit der Rückverbindung. Der ersten, in der Sintflut untergegangenen Menschheit braucht die Schrift Abraham nicht gegenüberzustellen, sondern nur der zweiten, der eben, in deren Mitte er lebt, wenn auch nicht in ihrer ursprünglichen einheitlichen Form, sondern in der zur Völkerwelt verwandelten. Nur diesem zweiten Anfang braucht Abraham gegenübergestellt zu werden, weil nur dieser, wie der dritte, auf einer Erwählung begründet ist. Die Gegenüberstellung geschieht dadurch, daß Abraham mit eben jenem erwählten Mann, mit Noah, der zweite Erwählte also mit dem ersten verglichen wird, sein Wesen mit dem Wesen jenes und die Kundgebung an ihn mit der Kundgebung an jenen. Diese Vergleichung aber wird nicht als solche, nicht lehrhaft vorgetragen, sondern sie bedient sich der in dem Wortbestand der Sprache selbst, in deren Bildern und Ausdrücken gegebenen Mittel, die nur unsere Aufmerksamkeit aüfzunehmen braucht; sie bietet sich also nicht unserem diskursiven Verstände, sondern unserer Anschauung dar. Noah ist die erste Person, der die Schrift Epitheta beilegt. Sie sagt von ihm (Gen 69), er sei ,,in seinen Geschlechtern", in den Generationen also, die sein Leben umfaßt, ,,bewährt" (צדיק) und ,,ganz" (תמים) gewesen. Beides sind Begriffe der Übereinstimmung, der erste einer Übereinstimmung zwischen Innen und Außen, zwischen einer Wahrheit und einer Wirklichkeit, zwischen der Richtigkeit einer Sache und ihrer Anerkennung, zwischen einer Gesinnung und einem Verhalten, der zweite einer Übereinstimmung zwischen den Teilen und Eigenschaften eines Wesens, somit einer Wesenseinheit und Wesensvollständigkeit. Der Grundtypus für den ersten Begriff ist der Freispruch des Unschuldigen vor Gericht, der die