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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 52

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Zur Erzählung von Abraham
Date
1939-01-01
Page
Seite 52 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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52 Martin Buber Israel im Schatten von Berufung und Verheißung zu verstehen ist. Dieser sein Platz im Zusammenhang bestimmt Stoffauslese und Stoffbearbeitung, Komposition und Stil, Bildersprache und Wortwähl. Die Schrift sagt ihre Lehre, nicht indem sie sie als Lehre vorträgt, sondern mit den Mitteln der Erzählung, ohne die durch die Gestalt der Erzählung gezogenen Grenzen zu überschreiten. Die Mittel der Erzählung aber verwendet sie in einem Ausmaß, das die Weltliteratur bis heute ihr nicht abgelernt hat, und sie arbeitet mit so unvordringlichen, wenn auch deutlichen Bezügen und Verknüpfungen, daß eine vollkommene Aufmerksamkeit dazu gehört, um ihre Absicht zu erfassen, — eine so vollkommene Auf merksamkeit, daß sie bis an unser Geschlecht noch nicht erfüllt worden ist und daß es uns Spätlingen Vorbehalten blieb, Übersehenes, Vernachlässigtes, ungenügend Gewürdigtes in seiner Bedeutsamkeit zu zeigen. Der Platz, den die Erzählung von Abraham im Zusammenhang der biblischen Geschichte einnimmt, stellt ihr eine dreifache Aufgäbe. Sie hat erstens ihre Verbindung nach rückwärts sichtbar zu machen, also darzustellen, wie Abraham als neuer volksgestaltiger Aiifang sich im Verhältnis zu der alten gescheiterten völkerlosen Menschheit ausnimmt. Sie hat zweitens den Weg abzuschreiten und uns, ihre Leser, abschreiten zu lassen, den die göttliche Berufung und Verheißung durch das Leben Abrahams von Haran bis zum Berge Moria geht, und hat dabei die Ankündigung des Weges aufleuchten zu lassen, den die aus Abraham hervorgegangenen Stämme zur Volkwerdung und zum Empfang der zweiten, ans gewordene Volk gerichteten Berufung und Verheißung, von Beerseba also über Ägypten zum Berge Sinai gehen werden. Sie hat drittens im Bilde von Ereignissen des Lebens Abrahams, als in ,,Zeichen“, die Geschicke des Volkes Israels an- Zusagen und also, wie seine persönliche Berufung ein Vorbote der Volksberufung ist, so auch seine Biographie überhaupt als eine Vorwegnahme der Volksgeschichte, gleichsam als eine gelebte Weissagung, erscheinen zu lassen. Die erste dieser Aufgaben erfüllt die Schrift durch inhaltliche und sprachliche Bezüge zur Erzählung

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