Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Zur Erzählung von Abraham
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Erzählung von Abraham 51 Geschichte, dieser Weg von Ur Kasdim zum Sinai, ist eine Folge von Aussonderungen und Absonderungen, Ereignisse der Geschichte — Sippengeschichte und Volksgeschichte —כ aber die Offenbarung steht über ihnen und gibt ihnen ihren Sinn, weist ihnen ihr Ziel. Denn das Ziel all der Absonderung ist eine künftige Verbimdenheit. Von diesem Ziel wissen die Propheten zu sagen. Aber die Er- Zahlung vom Anfang des Weges, von der Heransholung Abrahams, entspricht aüch in eigentümlicher Weise der entscheidenden Erfahrung des prophetischen Menschen, seinem eigenen Herausgeholt־ werden aus seiner natürlichen Umgebung. Wenn Abraham zu Abi־ melech sagt (Gen 2013): ,,Als mich die Gottmächte abirren ließen von meinem Vaterhaus“, müssen wir daran denken, was Arnos dem Priester antwortet (Am 71S): ,,ER hat mich von hinter den Schafen genommen“. Aber wie viel früher klingt Abrahams Rede! Wohl, es ist seltsam, daß in dem gleichen Abschnitt, und nur in ihm, Abraham ein Künder — d. h. ein redender Mittler zwischen Hirnmel und Erde — genannt wird. Ein früher Prophet, einer aus der Blütezeit des großisraelitischen Reiches etwa, mag für diese Gestalt der Erzählung verantwortlich sein. Aber wir würden gründ־ lieh irren, wenn wir meinten, er projiziere lediglich seine Art und seine Erfahrung in die Urzeit hinein. Gleichviel, wie es um den Begriff des Propheten steht, prophetische Existenz ist so alt wie Israel; so etwas kommt nicht mitten in der Geschichte einer Gemeinschaft hinzu, sondern ist in seiner ursprünglichen Art so alt wie diese Geschichte. Und ohne die Urerfahrung des Herausgeholt־ Werdens, d. h. ohne die Gewißheit eines Menschen der Urzeit, das, was er tut ohne es zu wollen, tue er weil der Gott es will, gäbe es den Glauben Israels nicht. 2 Ich habe darauf hingewiesen, daß die Erzählung von Abraham durchaus nur aus ihrem Platz im Zusammenhang der biblischen Geschichte, zwischen der Erzählung vom Scheitern der einheit־ liehen Menschheit Und der Erzählung vom Werden des Volkes 4*