Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Zur Erzählung von Abraham
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 4)
- Language
- German
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50 Martin Bub er dem die Vielheit der Völker. Der neue Weg kann nur von dieser Tatsache ausgehen. Sein Ziel kann nicht mehr eine spaltungslose Menschheit, sondern nur eine ihre Spaltungen überwindende und über ihnen sich vereinigende sein, nur der Zusammenschluß der Völker zu einer Menschheit, als zu einem Volk aus Völkern. Wie aber kann das Ziel erreicht werden? Damit die Vielheit der Völker zur Einheit eines Völkervolks gelange, muß ihr erst kundgetan werden, wie ein wirkliches Volk, als das Einssein einer Vielheit verschiedener Menschen, aussieht. Kundtun kann so etwas nicht das Wort, sondern nur das Leben, — das Leben eines wahren Volkes. Aber von diesen Produkten eines Zerfalls taugt keins dazu, dies mit seinem Leben kundzutun. Ein neues Volk muß kommen, und zwar eins, das nicht durch den natürlichen Prozeß der Toledot allein entsteht, sondern an dessen Gebürt die Offenbarüng, die Verheißung und das Gebot von oben mitwirken: an seinem Anfang muß sein Ziel stehen, damit es seine Aufgabe am Ziel der Menschheit erfülle. Dies ist es, was geschieht. Der Mann Abram wird ausgesondert und ausgesandt. Er wird aus der Völkerweit geholt und muß seinen eigenen Weg gehen, der für ihn und seine Nachkommen immer neue Absonderung bedeutet. Als er aus dem Vaterhaus tritt, kommen noch Verwandte mit ihm; daß er im neuen Lande sich auch von ihnen trennt, hat seinen eigentlichen Sinn darin, daß sie sich nicht wie er von den Völkern absondern, sondern mit ihnen verschmelzen wollen. Im nächsten Geschlecht geschieht Sonderung in seiner eigenen Sippe und im nächsten wieder, und über jeder stehen Gottesworte. Dann endlich ist ein Geschlecht da, in dem keine Sonderung mehr zu geschehen braucht. Aber eben dieses Geschlecht gerät in einen neuen ,,Eisenschmelzofen“ (Dt 420, I K 851), aus dem es ״herausgeführt“ werden muß, ״ein Volk aus dem Eingeweid eines Volkes“ (Dt 434) — wie der Stammvater aus dem einen der zwei großen Stromreiche, zwisehen denen sich die Staatsgeschichte Israels abspielen sollte, so es aus dem zweiten —, um zunächst das zu werden, als was allein es jene Kundgebung wirken kann: ״ein Volk das einsam wohnt und unter die Weltstämme nicht gerechnet wird“. Diese ganze