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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 49

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Zur Erzählung von Abraham
Date
1939-01-01
Page
Seite 49 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Zur Erzählung von Abraham 49 nun eben das, was sie verhüten wollten, ohne daß es ihnen gedroht hätte: die Zerstreuung. Es gibt keine Vernichtung mehr; das war im ,,ewigen Bund“ ,,mit allen lebenden Wesen“ zugesichert worden; was jetzt, als Strafe für die verkehrte Sammlung kommt, ist die Zersprengung, auf das פן נפוץ antwortet ויפץ und nochmals הפיצם, und der in großartiger Entsprechung zwischen Oben und Unten aufgebaute Abschnitt, der mit כל הארץ begann, endet mit dem in dreifachem Refrain, der dem Hörer und Leser einhämmern soll, um was es geht, wiederholten: על פגי כל הארץ. Schon im vorhergehenden Abschnitt, der Völkertafel, war vierfach, in drei Verben, erst בפרת, dann נפצו, dann גפלגה und dann wieder נפרדו, angekündigt worden, was nun geschieht. Die einheitliche Menschheit, die keine war, weil sie es gegen Gott sein wollte, wird zu גוים zersprengt, die einheitliche Erde (ארץ) zu Ländern (ארצות) und die einheitliche Sprache (שפה) zu Sprachen (לשגות). Das deutlichste Merkmal der neuen Situation ist, daß nun keiner den anderen versteht. Und inmitten dieser verwandelten Menschenwelt, inmitten der Völkerweit, steht die unvollendete, unvollendbare Stadt, Babel, die Stadt der Verwirrung. Das ist die Situation des Menschengeschlechts, in der Abram geboren ist, in der er mit seiner Sippe auf Kanaan zu wandert und in der er nun den Ruf Gottes empfängt. Nur aus dem Sinn dieser Situation können wir den Sinn dieses Rufs verstehen, nur aus dem Ausgang des ersten und des zweiten Segens den Sinn des dritten, der auf den Ruf folgt und der so ganz anders klingt als die beiden fast gleichlautenden ersten. Die wesentliche Voraussetzung ist die folgende. Nachdem die Menschen Mal um Mal, in zwei Weltaltern, die göttliche Absicht, sie aus eigenem Willen, aus freiem Gehorsam zu einer wirklichen Menschheit zusammenwachsen zu lassen, vereitelt haben, soll nun ein dritter Anfang kommen. Aber dieser dritte Anfang kann nicht mehr, wie die beiden ersten, die Einsetzung einer einzigen Sippe bedeuten, aus der das Menschengeschlecht entstehen oder sich erneuern soll, denn es kann einerseits keine Vernichtung mehr geben, die alles Schuldige und daher Unbrauchbare hinwegräumt, und anderseits gibt es nun keine einheitliche Menschenschar mehr, son- 4

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