Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 48

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Zur Erzählung von Abraham
Date
1939-01-01
Page
Seite 48 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850767--55707-2850903
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

48 Martin Buber heit scheitert. Aber nicht an einer Sünde gegen Gott. Die Sünde gegen Gott hat nur zur Vertreibung aus dem Paradies geführt, die Sünden der Menschen gegeneinander, der Weg des Unfriedens, der mit dem Brudermord beginnt und damit endet, daß sich die Erde mit ״Gewalttat“ füllt und sie, die Erde selber, durch die Taten des Menschen ,,verderbt“ wird, führen zur Sintflut. Wieder steht, wie im Beginn der Schöpfung, das Wasser über der Erde. In ihm. bewahrt, wird die zweite Menschheit auf die Erde eingesetzt. Sie empfängt den gleichen Segen wie die erste, den gleichen Segen der natürlichen Fruchtbarkeit, der Toledot, des Werdens der Geschichte auf dem Wege der Natur; aber nun wird der Segen zum Unterschied vom ersten an das Verbot der Gewalttat gebunden, nun wird dem Menschen gesagt, was dort nur erzählt wrorden war: daß er im Bilde Gottes geschaffen ist und durch die Gewalttat dieses Bild verletzt. Und nun scheitert auch die zweite Menschheit, und nun an einer Sünde gegen Gott. Aber das Merkwürdige an dieser Sünde ist, daß die Menschen mit ihr das Gegenteil von dem anstreben, womit sie vorhin gesündigt hatten. Die erste Menschheit hatte, vom Brudermord angefangen, statt zusammenzuhalten, Mensch von Mensch getrennt; die zweite will Zusammenhalten — auf eine falsche Weise. Jene hatte das Ziel, Menschheit zu werden, durch die Gewalttat verfehlt; diese will in einer Stadt beisammen bleiben, will sich nicht zerstreuen lassen, will gemeinsames Werk tun, will Menschheit sein — indem sie sich gegen Gott auf lehnt. Das gemeinsame Werk zentriert im Turm, dessen Spitze in den Himmel, gegen den Himmel weist; daß dies die Absicht ist, wird in dem הבה deutlich, mit dem der Himmel ihr הבה, ihren Kriegsruf, beantwortet. Die Strafe spricht die Sprache der Sünde. Schon Adam und Eva hatten für die Sünde am Baum der Erkenntnis dadurch büßen müssen, daß ihnen der Zugang zum Baum des Lebens abgeschnitten wurde. Ihre Nachkommenschaft wurde zum Lohn für die gegenseitige Vernichtung der Vernichtung preisgegeben, und dafür, daß sie ,,die Erde verderbten“ (משחיתים את הארץ), kam die Flut, ״die Erde zu verderben“ (לשחת את הארץ). Der zweiten Menschheit widerfährt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.