Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 4)
- Language
- German
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Besprechungen 6i sondern sie g־ e s c h i e h t, und diese Dynamik ist noch in dem Erkennen selbst zu spüren als eine Wirklichkeit, die den ganzen Menschen erfaßt. Gott ist ein Gott der Geschichte, und alles Vergangene ist ״reaktivierte Vergangenheit", in der auch Gottes vergangene Heilstaten aktualisiert werden. Auch unser Verständnis der Bibel kann kein anderes denn ein dynamisches sein, d. h. ein solches, in dem wir uns als durch die Wirklich* keit Gottes bestimmt ergreifen und uns jeweils entscheiden müssen. Nicht Geschichte um der Geschichte willen — das wird dem Historismus ent״ gegengehalten — treiben wir in der Bibel. Wir tun es um der Gottes״ Beziehung wegen, in der wir selber stehen; und nicht in ein System von Begrifflichkeiten — das wird der biblischen Theologie gesagt — ist das A. T. zu pressen, denn Gott wird immer von neuem erfahren. Mit dem treffenden Beispiel vom Dogma der schematischen Vergeltung, ״das trotzdem viel häufiger in den Biblischen Theologien als im A. T. selbst zu finden ist" will Weiser klar machen: ״Der Systematiker wird mit seinen Begriffen am A. T. zuschanden oder er macht das A. T. zuschanden". Schließlich ist auch ab״ zulehnen die christologische Exegese des Ä. T., die Methode der Voraus״ Verkündigung also, die in Wahrheit keine Exegese sondern eine Eisegese ist. — Eine Kritik dieser Ansicht müßte zu einer Auseinandersetzung mit der dialektischen Theologie und ihren so sehr von einander abweichenden Stellungnahmen führen. Worauf diese zeitnahe, aus der Zeit kommende Denkungsart abzielt, ist auch ohne solche umfassende Würdigung* wohl zu erraten. Wir verdanken ihr, nun verstärkt durch unsere am eigenen Leib sich vollziehende Erfahrung, Auflockerung, pädagogischen Gewinn und manchen neuen Blick für die Lebendigkeit des alttestamentlichen Ge״ schehens. Aber Erkennen der Gotteswirklichkeit heißt nicht nur Erfahren, sondern heißt eben auch Erkennen. Es ist uns zur Pflicht gemacht. Und Erkennen heißt auch Werten, wofür der begrenzte Raum unserer eigenen Erfahrung nicht immer ausreicht, so daß wir zurückverwiesen werden an diejenigen Wertmaßstäbe, die uns die Schrift in erkennbarer Weise reicht. Und schließlich würde, wenn wir Weiser folgten und die Bibel in geschieht״ liehe Aktualität ganz und gar aufzulösen begönnen, vielleicht nur eine sehr begrenzte Auswahl der Bibel übrigbleiben, vielleicht nur ״die Geschichte unserer Zeit" und vielleicht gar nur ״der Herren eigener Geist". In den theologischen Aufsätzen des Sammelbandes kehrt die Frage nach dem Verhältnis der Bibel zur Altertumskunde immer wieder. Ein be״ sonderes Referat über diese Frage hat Otto Eissfeldt gehalten. Er setzt sich ein für eine universale Anwendung der Wissenschaften auf das A. T., ins״ besondere der historischen Wissenschaft, ohne die es nicht gelingen würde, ״die gegenwärtige Religion von dem Ballast zu befreien, den ihr große Stücke des A. T. bedeuten würden." Die Altertumswissenschaft^aber bleibt dem A. T. besonders verpflichtet. Die Bibel ist das hervorragendste litera״ rische und geschichtliche Denkmal des Altertums und ist es trotz der Aus״ grabung ganzer Kulturen geblieben. Sie ist seine bedeutendste religiöse Urkunde und — das bezeugen die Angriffe der Gegenwart — die einzige noch wirksame Macht der Antike, an der uns auch erst anschaulich wird,