Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 3)
- Language
- German
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60 Besprechen gen zu spüren, der um das A. T. geht, und es mag־ wohl zutreffend sein, was ein Teilnehmer der Tagung* sagte, daß seit den Tagen Marcions noch nie« mals das A. T. in solcher Weise umstritten gewesen sei. Gemeinsam ist den Referenten die Unruhe des Fragens, gemeinsam das Festhalten an dem A. T. als einer Glaubensurkunde —- aber die Wege sind verschieden, und sie führen weit auseinander. Die vorhin von Paul Volz zitierte These wird durch Joh. Lindblom bekämpft. In einer gedrängten Übersicht unterzieht er in seinem Referat ״Zur Frage der Eigenart der alttestamentlichen Religion“ verschiedene Methoden der Bibelforschung einer Prüfung, um schließlich die ideekritische zu empfehlen. Die zentrale Idee des A. T. ist die Gottesidee. Die Frage nach ihrer Eigenart stellt er nicht als Dogmatiker, sondern als ein auf das Systematische ausgehender Exeget. Und nun die Antwort: Der Gott des A. T. ist der in der Geschichte seines Volkes wirkende Herrscher und König. (Hier wird auf Baudissins ״Kyrios“ verwiesen, aber nicht auf Bubers ״Königtum Gottes“)• Seine Wesenszüge sind die Liebe und der Zorn. Die Liebe gilt dem Volk seiner Erwählung und des Bundes, sein Zorn aber den Abtrünnigen und den Völkern, die außerhalb des Bundes stehen. Wie bei einem orientalischen Herrscher, sind Liebe und Zorn im Wesen! Gottes zu« gleich, es herrscht zwischen ihnen eine ״dramatische Spannung“. In der neutestam entliehen Religion aber ist die Liebe Gottes eine Liebe zum Sünder. Hier wird aus dem Herrscher der Vater, und das Ruhen in der Liebe Gottes ist die anders als das hebräische שלום einen rein geistigen Charakter hat. Trotz dieser Verschiedenheiten besteht zwischen beiden Religionen eine organische Einheit: ״Der Vater wirket bisher“. Etwas verwundert vernehmen wir, daß dieses Referat von vielen als Höhepunkt der Tagung empfunden wurde. Vielleicht trug dazu die ruhige Heraus« arbeitung der methodischen Frage am Anfang, vielleicht der sich zu einer Predigt erhebende schlichte Stil am Ende bei. In der Behandlung des Gegenstandes selbst, in der Antwort also, vermögen wir einen Fortschritt nicht zu erkennen. Die der Meinung des Referenten entgegenstehenden Stellen in Arnos 9 sowie das Buch Jona werden allzu rasch erledigt; der Weltengott der Propheten, ohne den der ganze Prophetismus in sich zu« sammenfällt, spielt in dieser Betrachtung eine gar geringe Rolle. Die Gegenüberstellung von Liebe und Zorn in dieser Form ist weder neu noch richtig, und wenn Systematisierung und Typisierung als ein und dasselbe verstanden wird, dann muß man wohl den kargen Ertrag solcher Typisie« rung kritisch beurteilen. Das tut Arthur Weiser. Auch er sieht die erste Aufgabe in der Exe« gese, in der historisch«kritischen Arbeit, die an der Bibel zu tun ist. Aber das Verständnis der Bibel, ist wesentlich Selbst Verständnis. Diese Fest« Stellung, die von einer Kritik der orthodox«dögmatischen Methode und der Entwicklungsphilosophie begleitet ist, führt uns direkt in das Lager des existenziellen Denkens. Das in der Bibel aufbrechende Verstehen ist ein dynamisches Wirklichkeitsverständnis, ein Verstehen von Gott her und auf Gott hin. Die Wahrheit ist nicht wie in der griechischen Philosophie,