Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neue Wege der Bibelwissenschaft
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Neue Wege der Bibelwissenschaft 21 daher muß er sie ganz benutzen und alle ihre Lesarten prüfen. Ähnliches gilt auch für die Übersetzungen, deren innere Geschichte besonders lang und verwickelt ist. N. gibt aber nicht nur Ratschläge und stellt Prinzipien auf, sondern zeigt auch ihre richtige Anwendung. Bei jedem Verse, den er behandelt, geht er auf die Abweichungen der Übersetzungen ein und ist bestrebt, die Ursachen ihrer Entstehung und Geschichte ihrer Überlieferung aufzudecken. Meist hält er M. gegen die Übersetzungen aufrecht und bietet nicht nur viele interessante Erklärungen zu schwierigen Stellen, wichtige grammatikalische, syntaktische und lexikalische Bemerkungen über die Sonderzüge der altnordhebr. Sprache, in der das Buch Hosea abgefaßt ist, wichtige Anhaltspunkte für eine in dieser Richtung zu unternehmende prinzipielle Untersuchung der bibl. Texte, sondern auch wertvolle literarische und religionsgeschichtliche Exkurse. Hos. 44 nimmt er für עם die Bedeutung ״dein Verwandter“, worunter Gott gemeint ist, an. עם ist die Gruppe, die sich zu einem Gott bekennt, aber auch der Gott ist der עם der Gruppe. Es gibt nicht nur einen süd« arabischen Götternamen עם, sondern diese Bedeutung hat auch das Wort sicherlich in den theophoren Namen עמישדי? עמיבדב (mein עם ist שדי, נדב usw.) und N. glaubt, sie auch in Jes 26 wiederzufinden, wo er כי נטשתד, עמך ״ בית יעקבdenn du hast deinen עם (d. h. deinen Gott) verworfen, du Haus Jakob“ übersetzt. אם in V. 5 ist ein Widerspiel von עם und bezeichnet die Gruppe, mit der Gott in einer Ehe lebt, wie sie die Ehe des Hosea symbo« lisiert28. מריבי ändert er in מו־יבי und hält es für ein adjektivisches Attribut, das als St. cstr. mit der Endung i, dem Substantiv vorangestellt wurde, dem hier, wie in I Sam 210 die Bed. ״Kläger“ zukommt. Der Sinn des V.s אך איש אל ירב ואל יוכח איש ועמך כמריבי כדן ist demnach ״aber ein gemeiner Mann soll den Rechtsstreit nicht führen, ein gemeiner Mann die Entscheid düng nicht fällen, da doch dein Am (Gott) wie ein Priester ist, der eine Klage erhebt“. Man mag über die von N. dem Worte עם zugewiesene Bed. streiten, seine Übersetzung hat aber den auf weitgehenden Änderungen beruhenden, ״und dein Volk priestert wie Streit“ (Prätorius) oder ״und ist doch das Volk wie die Pfaffen“ (Wh. u. A.), gegenüber, den Vorzug, daß sie bei M. bleibt und ihn sprachlich erklärt. Auf jeder Seite seines Buches ruft N. in Vergessenheit geratene Lehren der hebr. Syntax in Erinnerung 28 Über die Bed. der Begriffe ״Vater“, ״Mutter“ und ihre Anwendung auf das Volk vgl. Pedersen, Israel S. 475 und Eißfeld, Der Gottesknecht .... im Lichte der israelitischen Anschauung von Gemeinschaft und Individuum 1933, S. 20 ff.