Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neue Wege der Bibelwissenschaft
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Neue Wege der Bibelwissenschaft 19 nur deswegen, weil sie ein besseres Verständnis des Textes zu bieten scheint24. Eine einfache Überlegung genügt aber, um festzustellen, daß die palästinischen Juden, die Träger der Tradition und Pfleger der nationalen und religiösen Literatur, den Text sachlich und sprachlich besser verstehen mußten als ihre Brüder in Alexandria, die für die hebräische Literatur nichts geleistet haben. Volz’Ansicht (S. 108), daß die Textänderungen, Textverbesserungsversuche und Erweiterungen, die er in M. zu finden glaubt, nicht durch Schreibfehler entstanden seien, sondern den Willen und das Bedürfnis der Ge״ meinde zum Ausdruck bringen, ist durch nichts begründet. Die Erklärungen der Tannaiten mögen dem Text häufig Gewalt antun; aber sie haben weder den Text wesentlich geändert, noch gar größere Zusätze gemacht25. Aus welchem Grunde dürfen wir annehmen, daß eine frühere Zeit, von der wir nichts wissen, anders mit dem Texte verfuhr? Volz will gar noch auf Grund der vermeintlichen Zusätze usw. ״ein Zeugnis vom Leben der Synagoge und Urkunden für das 24 Daß auch die älteren Übersetzer wie ihre späteren Nachfolger — z. B. Saadia — bestrebt waren, vor allem ihren Lesern einen! verständlichen Text zu bieten und daher zu Umschreibungen griffen, dürfte als allgemein be~ kannt vorausgesetzt werden, und dennoch werden diese Abweichungen in allem Ernst als Varianten verzeichnet. Man wundert sich nur darüber, daß Saadia nicht als Textzeuge angeführt wird. Ch. Heller hat in seinem Buche הנוסח השומרוני של התורה (Berlin 1924) nachgewiesen, daß viele Abwei־ chungen des Samaritaners, der LXX und Peschitto Erklärungen sindy die eine auffallende Übereinstimmung mit denen Saadias und anderer jüdischen Kommentatoren auf weisen. Leider hat dieses Buch geringe Beachtung gefunden. 25 Die sogenannten ״Tikkune Soferim“ sind trotz Geiger (Urschrift 259 f.) geringfügig. Die Tatsache, daß sie bekannt waren, und daß die Ursprünge liehen LA vermerkt wurden, spricht nicht dafür, daß es ihrer, außer den genannten, viele gab. Manche dieser alten LA sind überdies durchaus ver« dächtig. Die I Kö 1210 angeführte LA אלהיך st. אהליך ist eine midraschische Deutung (vgl. Jalkut § 106 gegen Geiger S. 316). Bei einer richtigen Fassung von כבודי (vgl. Raschi z. St.) in Jer 25 besagt es das gleiche wie das angeblich ältere כבודי nach dem Talmud. Ähnlich auch Ps 10620, Hos 47, wo übrigens N. 1 אמיך. und es für einen Aramaismus hält. Segall berührt wohl die Frage der Tikkune Soferim in der Yellin-Festschrift, S. 13, sagt aber nichts Neues. 2*