Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neue Wege der Bibelwissenschaft
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
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18 Efraim Urbach Zeugnisse jener älteren Epoche nicht als schriftliche, zum Lesen in unserem Sinne, bestimmte Literatur, ein selbständiges Dasein geführt haben, sondern lediglich als Stütze für die mündliche Tradition dienten, die immer die Hauptsache bildete“ (N. 128). Die vorausgesetzte Verschiedenheit von Urtext und von dem von der Gemeinde kanonisierten Text besteht also nicht zu Recht. Die Aufgabe der Textkritik kann demnach nur sein, diesen von der Gemeinde kanonisierten Text wieder herzustellen. Auf Fragen der Echtheit kann daher die Textkritik nicht eingehen, sie hat vielmehr nur die Korrektheit des überlieferten Textes zu prüfen (vgl. ob. S. 15). Die Zahl der verderbten Stellen ist aber nicht so groß, wie es auf Grund der meisten modernen Kommentare oder des kritischen Apparates in Kittels Biblia Hebraica erscheinen könnte. Eine so große Verwahrlosung des Textes ließe sich auch schwerlich erklären. Die Juden waren mit der Kodifikation der Tradition ihrer früheren Religionsentwicklung beschäftigt. Das klassische Hebräisch haben sie wohl nicht gesprochen, aber doch immer gekannt, und es ist noch fraglieh, ob die Umgangssprache der biblischen Zeit weniger verschieden von der literarischen gewesen ist als das Neuhebräische vom biblischen Idiom. Aber auch die Preisgabe einer alten Sprache oder Religion führte nicht immer zum Bruch mit der Tradition. Die Isländer haben ihre religiösen Urkunden verhältnismäßig treu niedergeschrieben, als sie bereits Christen waren; die Gathas des Avesta sind mit wunderbarer Treue überliefert, trotzdem sie in der Sassanidenzeit nicht mehr ganz verstanden wurden. Die Geringschätzung von M. erklärt daher der Verfasser mit Recht als Psychose, die aus der Auflehnung gegen das Dogma der Verbalinspiration zu verstehen ist. Die weit verbreitete Ansicht von der prinzipiellen Überlegenheit der LXX dem M. gegenüber beruht auf einer unvollkommenen Art der Benutzung dieser Übersetzung, die auch Volz (S. 102) beklagt. Oft bevorzugt man die Lesart der LXX ihren Ursprung. Dies haben Strack, Prologomena critica in Vetus Testa« mentum, und; Rosenfeld, ־ משפתו! סופריםwo sich eine vollständige Sammlung dieser Abweichungen findet, zu wenig beachtet.