Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neue Wege der Bibelwissenschaft
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
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Neue Wege der Bibel Wissenschaft 17 wiederherzustellen. Diese Voraussetzungen wurden gemacht, weil man sich wenig um die Erkenntnisse über die orientalisdie Schriftüberlieferung gekümmert hat. Die biblischen Schriften nehmen aber nach N. keine Sonderstellung in der, Überlieferungsgeschichte des Orients ein: durchweg geht eine mündliche Überlieferung der Niederschrift voraus, bleibt aber auch nachher die normale Form der Weitergabe; insbesondere ״das schriftliche A. T. ist eine Schöpfung der jüdischen Gemeinde nach dem Exil, was dem vorausging, war sicherlich nur zum kleinen Teil schriftlich fixiert“. Diese Behauptung ist durch die von ihm angeführten Beispiele wenig begründet, widerspricht vielmehr den Angaben der Schrift (die Vorlesung des unter Josia gefundenen Buches, die Vorschrift des Dt., daß der König ein Buch der Tora besitzen soll; Jeremia diktiert dem Baruch und schickt seine Schrift dem König); daß Kultlegenden und epische Erzählungen in Kanaan bereits im 14. Jahrhundert niedergeschrieben wurden, beweisen auch die Ugarit-Texte von Ras-Schamra22. Eine schriftliche Fixierung der Texte hat zweifellos seit ihrer Entstehung immer bestanden, ihre Überlieferung dagegen — darin hat N. Recht — war im wesentlichen mündlich. Bei der endgültigen Entstehung des Kanons wurden sicher die vorhandenen alten Texte gebraucht; sie waren aber, da sie wenig vorher benutzt wurden (N. erzählt von einem Parsi-Priester, der den Jasna auswendig zitierte und ״auch ein Buch besaß“) von all dem, was ihnen die moderne Bibelwissenschaft zumutet, frei. Zur Zeit des zweiten Tempels war wohl die Zahl der vorhandenen Exemplare der Heiligen Schriften nicht wesentlich größer als vorher; Mischna- und Talmudlehrer zitierten zweifellos auswendig23. Das Entscheidende ist ״daß die schriftlichen Er- 22 Vgl. Dussaud7 S. 117 .... nous constatons Fusage die developpe de cette ecriture des au moins le XIVe siecle av. J.״C. Comme, d’autre part7 les analogies soit frappantes entre legendes ancestrales pheniciennes et legendes patriarcales israelites7 on ne peut douter de Tantiquite de ces dernieres, non pas seulement pour quelques traits epars, mais pour 1 a construction meme du r e c i t7 les details du rituel et jusqua Fexpression de la piete. 23 In dieser Art des Zitierens haben zweifellos viele Abweichungen der sich in der talmudischen Literatur findenden Zitate vom masoretischen Text Monatsschrift, 82. Jahrgang■ 2