Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neue Wege der Bibelwissenschaft
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
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16 Efraim Urbach schweigend, machte sie nach N. folgende Voraussetzungen: i. es bestand eine schriftliche Überlieferung von den ältesten Anfängen bis M. (= Masora); 2. der Text wurde in der jüdischen Gemeinde falsch verstanden, rein mechanisch abgeschrieben und mit Randglossen durchsetzt; 3. M. ist schlechter als die Übersetzungen, weil die in unserem Besitze sich befindenden Hss. sehr jung sind (frühes Mittelalter); 4. die Sprache der Bibel (mit Ausnahme von Kohelet, Ester) ist einheitlich; 5. Zweck der Textkritik ist, die älteste Textform ist. Die Propheten haben unmöglich das ihnen von Volz zugemutete Hebräisch gesprochen. Das von V. vorgeschlagene Regelbuch könnte, wenn es auf Grund der bis jetzt gemachten Erfahrungen beruhen soll, nur Unheil stiften, weiL es von falschen Voraussetzungen ausgehen würde. Für die selbst von V. geübte Willkür seien nur einige Beispiele angeführt: Jes 489 lautet למען שמי אאריך אפי ותהלתי אחטם לך לבלתי תכריתך V. nimmt תהלתי heraus, versetzt es nach V. 11 und statt אחטם לך, liest er אמחה חטאים לך, um dann unbekümmert um alle Textzeugen in V. 11 כי איך יחל כבודי ותהלתי לאחר לא אתן lesen zu können. V. 16 ועתה ה' א׳ שלחני ורוחו ändert er in ועתה אשלחבו לארחו• Typisch ist auch die Streichung von ישראל in 493, weil es in einer guten Hss. fehlt, als ob eine gute Handschrift gegen! die gesamte Überlieferung sprechen könnte. Die wahre Ursache dieser Änderung liegt aber darin, daß die Exegese mit dem gestrichenen Worte nicht zu Rande kommt, weil es nicht zu ihrer vorgefaßten Meinung vom Ebed paßt. Was bei dieser Methode Textregeln und ähnliche Mittel nützen sollen, ist fraglich. Damit soll aber nichts gegen die Wichtigkeit der Untersuchung der von V. formuiierten Aufgaben gesagt werden. Von Bed. könnte eine systematische Untersuchung der Abweichungen der parallelen Texte der Bibel werden. Ich denke dabei besonders an das Buch der Chr. Vorsicht ist natürlich auch hier geboten. Es wird wohl ein Unterschied zu machen sein zwischen verschiedenen Überlieferungen (wie sie bei Personen« und Ortsnamen nicht selten sind und deren Urform festzustellen unmöglich ist) und wirklichen Fehlern. Die letzte Gruppe könnte eine gute Quelle der von V. gewünschten Regeln bieten. Junker hat (S. 164) beim Vergleich von 2 Sam 65 mit I Chr 138 seine Regel der Konsonantenumstellung bestätigt gefunden. Seine Emendätianen, die auf dieser Regel beruhen, sind aber nicht sehr geglückt, weil er Stellen ändert, in denen M. unanfechtbar ist. So ändert er Ri 187 (S. 172) ואין מכלים דבר בארץ יורש עצר in ואין מלך מדביר בארץ יורש עצר und übersieht dabei, daß der Hifil von דבל in beiden Stellen (Ps 1848 und474 ׳), in denen er vorkommt, ״unterwerfen“ und nicht ״herrschen“ heißt מכלים heißt aber sehr häufig ״beleidigen“, beschämen, jemanden durch Worte beschämen heißt zurechtweisen. Der V. besagt, ״es gab keinen Erben der Macht, der jemanden mit einem Worte zurechtweisen, könnte“.