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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 1 · p. Seite 15

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 1
Article
Neue Wege der Bibelwissenschaft
Date
1938-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Neue Wege der Bibelwissenschaft 15 Wissenschaft und in der klassischen Philologie vertretenen Haltung zur Überlieferung klarzulegen sucht. In der letzteren machte sich bereits im 17. Jahrhundert ein Mißtrauen gegen die handschriftliche Überlieferung geltend20. Da die Gelehrten dieser Zeit besser Bescheid über die antiken Sprachen zu wissen glaubten als die mittelalterlichen Abschreiber, waren sie bestrebt, ״ipsissima-verba64 der alten Schriftsteller wiederherzustellen, wobei sie ganze Partien, die ihrem Geschmack nicht entsprachen, als sprachlich und poetisch unzulänglich den Schriftstellern absprachen und an deren Stelle ihre eigenen Umdichtungen setzten. Diese schrankenlose Konjekturalkritik in der klassischen Philologie ist inzwischen überwunden; ihre heutige Richtlinie, wie sie Wilamowitz-Moellendorff formulierte, lautet: ״Respekt vor der Überlieferung, aber nicht unbedingt Respekt vor dem einzelnen Schreiber64. Dagegen hat sich die Bibelkritik bis auf den heutigen Tag die Konjekturen- und Korrekturen-Freudigkeit bewahrt, ohne daß sie sich selbst über ihre Prinzipien klar war21. Still- 20 Diese Ausführungen N.s beruhen auf Kroll, Geschichte der klassischen Philologie, Sammlung Göschen, 1909 und! Wilamowitz, Geschichte der Philologie, in: Gercke~Norden, Einleitung in die Altertumswissenschaft I 1—128. [Mit dem ״Rückschlag gegen die Übertreibungen einer toll gewordenen Textkritik“, auf den Nyberg Bezug nimmt, ist in der klassischen Altertums« Wissenschaft auch ״ein heilsamer Rückschlag gegen die Athetese ganzer Schriften eingetreten“ (Wilamowitz a. O. 78). Von diesem Methodenwandel aus hat der Altphilologe Dornseiff, etwa gleichzeitig mit Nyberg, Be« denken gegen die Methoden der h ö h e r en K r_i t i k am A. T. geäußert, die mit Nybergs Ein wänden gegen die Textkritik parallel gehen. Er wendet sich insbesondere gegen die ״Zerschneidung nach Gottesnamen“ und gegen die Vorstellung, der Pentateuch sei ״mit Schere und1 Kleister“ redigiert: ״wo ist jemals derartiges geschehen?“ (ZAW. 1934, 59). Die Annahme Jech. Kaufmanns, daß die Tora-Literatur der prophetischen vorangeht, ist ihm 57, 1 sympathisch; denn die Versuche, aus Parallelen zwischen Tora und Propheten auf Priorität der letzteren zu schließen, haben ihn wegen ihrer Analogie mit Fehlschlüssen der Homerkritik ״heimatlich berührt“ ebd. 1935, 158; vgl. auch seine Kritik an Holzinger ebd1. 165 ff. I. H.] 21 Das hat Volz S. 101, besonders klar zum Ausdruck gebracht, aber die von ihm in seinen Studien zum Buche Jeremia, 1920, und in seinem Kommentar zu Deuterojesaja, 1932, vorgenommenen Textkorrekturen zeigen, daß mit einer ״textkritischen Regelsammlung“ allein nicht viel gemacht

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