Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neue Wege der Bibelwissenschaft
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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Neue Wege der Bibelwissenschaft 11 der in ihr aufbewahrten Gesetzessammlungen. Den Grenzpunkt beider Perioden bildet die Reform des Josia, bei der das erste Mal ein Buch der Tora eine Rolle spielte. K. verteidigt die Anschauung de Wettes, daß das Dt. das Buch der Reform war, gegen die Versuche früherer und späterer Datierung und urteilt wie dieser auch über die Frage des Verhältnisses von D. zu P. Die Tatsache, daß in P. von der Zentralisation des Kultus keine Rede ist, erklärt de Wette damit, daß P. älter ist. Nach Graf und Wellhausen soll dagegen P. jünger sein; für seinen nachexilischen Verfasser sei die Forderung einer Zentralopferstätte schon zur Selbstverständlichkeit geworden. Fast den dritten Teil seines Buches widmet K.dem Nachweis,daß deWette imRechtwar. DieSelbst- Verständlichkeit eines Verbotes schließt seine Erwähnung nicht aus. Im P. fehlen grade die Grundbegriffe des Dt. wie der des ״auserwählten Ortes66 und die mit ihm zusammenhängenden Vorschriften von Abgaben (Maaser Scheni, Bikkurim) und Feierlichkeiten (das Übernachten am Pessah und das Verweilen der sieben Tage Sukkot am auserwählten Orte). Der ״Formalismus66 vom P., den Wellhausen als Dekadenzerscheinung einer lebensfremden Zeit im Vergleiche zum naturnahen Kultus von EJ. ansieht, ist, wie wir jetzt von ägyptischen, assyrischen, babylonischen Urkunden und nicht zuletzt aus den Texten von Ras-Schamra wissen12, eher ein Beweis für ein höheres Alter als für das Gegenteil. In der Stellung des Hohen Priesters im P. wollte Wellhausen den Einfluß der Zustände der Zeit des zweiten Tempels erblicken. An Stelle des Volkes trat die Gemeinde (Eda), an die des Königs der Hohe Priester. Die Theokratie ist das Ideal vom P., daher gibt es auch kein Königsgesetz in diesem Buche. Das Eine wie das Andere stimmt, und dennoch ist Wellhausens Behauptung nicht bewiesen. Ein Königsgesetz gibt es auch — wie K. mit Recht sagt — in E J. nicht, und trotzdem weist niemand diese Quelle der Zeit des zweiten Tempels zu. Von einer Theokratie kann wohl im P. gesprochen werden, nicht aber im Sinne einer Priesterherrschaft (vgl. weiter). Übrigens ist nicht 12 Vgl. R. D'ussaud, Les decouvertes de Ras Shamra et TAT, 1937, S. 74 und 109 ff.