Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neue Wege der Bibelwissenschaft
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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Neue Wege der Bibel Wissenschaft 9 Hosea, selbst Ezechiel nicht vorhanden. Die Anschauungen der Propheten blieben aber auch auf diesem Gebiete nicht ganz wirkungslos. Der Verfasser hat noch vor, in einem kommenden Teile seines Buches einen Abschnitt über die Aufgaben der Prophetie in der Entstehungszeit der israelitischen Religion zu schreiben. Wir wollen hoffen, daß es ihm gelingen wird, die angeschnittenen Fragen schärfer zu fassen und sie mit der gleichen Sachkenntnis und kritischer Begabung zu behandeln, wie es im vorliegenden Bande bei der Untersuchung der Quellen- Schriften des Pentateuchs geschieht. Er hat sich hier einen methodischen Vorsprung verschafft, indem er die Gesetzesteile des Pentateuchs von dem Erzählungsstoff trennt. Weist letzterer einen einheitlichen Faden von der Weltschöpfung bis zum Tode Moses auf, in dem nur durch eine mühsame Arbeit der Kritik Risse, Doubletten und Widersprüche nachgewiesen wurden — wobei noch immer zweifelhaft ist, ob unsere Vorstellungen von Zusammenhang, Anordnung, Einheit der Texte denen der alten israelitischen Erzähler entsprechen10 —, so kann doch von einer einzigen Gesetzessammlung in der Tora unmöglich die Rede sein. Das Dt. galt ja seit immer der Tradition als משכה תורה. also als eine Parallele zu den früheren Gesetzessammlungen. Die Weisen des Talmud und der Ealachischen Midraschim haben ja selbst auf Widersprüche und Wiederholungen aufmerksam gemacht, nur daß sie sie zu harmonisieren suchen. Daß zwischen dem Bundesbuche (identisch mit der EJ.-Quelle), P. und Dt. in Stil, Technik, Wortwahl und auch Inhalt wesentliehe Verschiedenheiten bestehen, ist eine alte Feststellung, fraglich ist nur das gegenseitige Verhältnis dieser Quellen- Sammlungen. K. kommt zu einem Ergebnis, das dem Wellhausens widerspricht. Das Dt. ist keine Umarbeitung des Bundesbuches im Sinne der Zentralisation des Kultus, und P. keine Neuauflage des Dt. mit priesterlicher Tendenz. Ein großer Teil der Vorschriften des Bbs. fehlen im Dt., trotzdem 10 Vgl. Buber a. a. O. Cassuto, La questione della Genesi 1934 und Buber, Das Leitwort und der Formtypus der Rede in: Buber-Rosenzweig, Die Schrift und ihre Verdeutschung S. 262 ff. und unten Anm. 20.