Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neue Wege der Bibelwissenschaft
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Neue Wege der Bibelwissenschaft 7 fasser ein Philosoph war. Die Übergehung der Schriftpropheten im Buch der Könige beweist keineswegs, daß sein Verfasser mit der prophetischen Richtung und ihren Ideen nicht vertraut war. Er schreibt die Geschichte des Nord- und Südreiches und nennt diejenigen Personen, die an den Ereignissen führend beteiligt waren, z. B. Ahija (I 1124, 142), Sehemaja (1222), Jehu ben Hanani (16!), Michajhu (221a) und Jona b. Amitai (II 1426), Jesaja nimmt seiner politischen Wirksamkeit entsprechend einen größeren Raum ein. Die Befragung der Hulda nach der Auffindung des ״Buches der Tora66 läßt doch gerade auf eine autoritative Bedeutung der Propheten schließen. Die Übergehung Jeremias hat vielleicht ihre Ursache darin, daß der Verfasser höchstwahrscheinlich im Exil lebte und daher mit den Schriften des Propheten nicht vertraut war (so erklärt sich auch die kurze und summarische Behandlung der folgenden Zeit und die besondere Betonung der Befreiung des Jojachin durch den Nachfolger Nebukadnezars). Der Chronist fügt eine Reihe von Prophetennamen zu den genannten hinzu (II 15!, 167, 20!4), aber Arnos und Hosea nennt er doch nicht; der Schluß auf eine Nichtbekanntschaft mit ihnen wäre genau so falsch, wie wenn man sagen wollte, daß Ezechiel keinen seiner Vorgänger kannte, weil er sie nicht nennt. Unhaltbar ist auch die Behauptung K.s, daß in den historischen Büchern der ethische Verfall des Volkes nicht als Ursache seines Unterganges angegeben wird. K. muß zugeben, daß die moralischen und sozialen Vergehen nicht weniger als bei den Propheten verpönt und bestraft werden, selbst wenn sie von Königen begangen wurden; er sagt nur, daß sie nicht wie der Götzendienst als Ursache des Exils angesehen werden. Aber ״die Gebote und Gesetze der Tora, die ich euren Eltern geboten, das, was ich durch meine Diener, die Propheten gesandt habe66 (II Kön 17!3, vgl. besonders die V. 15; 37), sind doch die Gebote der Propheten, also die moralischen und ethischen. Daß der Schwerpunkt auf dem Götzendienst liegt, hängt damit zusammen, daß man in ihm die Urs achealles Übels sah; die Vermischung von kanaanäischem und israelitischem Wesen hat den gesellschaftliehen und moralischen Verfall herbeigeführt (Lev 18245 2023).